![]() |
|
|
#1 |
|
Beleuchtete
Registriert seit: 15.08.2026
Ort: Norddeutschland in der Natur
Beiträge: 17
|
Im Atem der Morgenwiese
Ich gehe durch das frühe Licht, und alles um mich scheint noch unentschieden – die Gräser, die sich strecken, die kleinen Wasserperlen, die sich nicht entscheiden können, ob sie fallen oder bleiben wollen. Der Wind fährt mir durch das Haar, als würde er mich kennen, als hätte er mich schon einmal an einem anderen Ort berührt. Ich lasse ihn gewähren. Manchmal braucht man nichts weiter als eine Hand aus Luft. Über mir öffnen sich die Kronen der Bäume, so langsam, als wollten sie sicher sein, dass ich bereit bin für ihr Licht. Ich bin es. Ich war es immer, ich hatte es nur vergessen. Die Erde unter meinen Füßen fühlt sich warm an, als hätte sie die ganze Nacht auf mich gewartet. Ich gehe weiter, und jeder Schritt macht mich ein wenig leichter. Ein Vogel ruft, ein zweiter antwortet, und plötzlich klingt es, als würde der ganze Wald eine Geschichte erzählen, die nur für mich bestimmt ist. Ich bleibe stehen, schließe die Augen und lasse die Welt einmal durch mich hindurchgehen. Sie tut es leise, ohne Drängen, ohne Anspruch. Und für einen Moment fühle ich mich wie eine Blüte, die sich öffnet, nicht weil jemand es erwartet, sondern weil es Zeit ist. |
|
|
|
|
|
#2 |
|
Lim-Fee
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 190
|
Liebe Lotusblüte,
dein Gedicht hat mich sofort in dieses frühe Licht versetzt, das du so zart beschreibst. Ich konnte beim Lesen richtig spüren, wie alles noch ein bisschen unentschieden ist — diese kleinen Wasserperlen, die nicht wissen, ob sie bleiben oder fallen sollen, das hat etwas unglaublich Feines. Besonders schön finde ich, wie du den Wind zeichnest. Nicht als Wetter, sondern fast wie jemanden, der dich kennt und dir kurz über die Schulter streicht. Das ist so eine stille Nähe, die man selten so treffend liest. Und dann diese Momente, in denen du dich erinnerst, dass du das Licht eigentlich immer in dir hattest — das hat mich sehr berührt. Es ist ein leiser Satz, aber er trägt so viel. Der Wald, der plötzlich eine Geschichte erzählt, die nur für dich bestimmt ist — das ist ein wunderbares Bild. Nicht laut, nicht überhöht, sondern einfach da, wie ein Geschenk, das man nur annehmen muss. Ein sehr stilles, sehr schönes Gedicht. Es hat mich für einen Moment ganz ruhig gemacht. Herzliche Grüße von Xenia
|
|
|
|
|
|
#3 |
|
Beleuchtete
Registriert seit: 15.08.2026
Ort: Norddeutschland in der Natur
Beiträge: 17
|
Liebe Xenia,
deine Worte haben mich wirklich gefreut. Es ist schön zu lesen, wie du dieses frühe Licht und all die kleinen Bewegungen darin wahrgenommen hast. Vor allem, dass du den Wind so deutlich gespürt hast — das hat mich überrascht und berührt, weil genau dieser Moment für mich selbst so still war. Und wie du den Wald beschrieben hast, als würde er mir eine eigene Geschichte schenken… das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn jemand die leisen Stellen eines Textes so klar sieht. Vielen Dank dir für diesen feinen, aufmerksamen Kommentar. LG ![]() Lotusblüte |
|
|
|
|
|
#4 |
|
Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.068
|
Hallo liebe Lotusblüte,
dein Text arbeitet mit einer klaren, ruhigen Bildsprache, die sich konsequent an der Wahrnehmung entlang bewegt. Das frühe Licht, die Gräser, die Wasserperlen — das sind Motive, die du sorgfältig setzt, ohne sie zu überhöhen. Die Stärke des Gedichts liegt darin, dass es sich Zeit nimmt, die Szene auszubreiten, ohne sie zu erklären. Was mir auffällt: Du führst die Natur nicht als Kulisse, sondern als Gegenüber ein. Der Wind, der „dich kennt“, die Bäume, die „sicher sein wollen“, der Wald, der „eine Geschichte erzählt“ — das sind klare Personifikationen, die dem Text eine leise Bewegung geben. Sie funktionieren, weil du sie nicht ausspielst, sondern beiläufig einsetzt. Der Übergang vom äußeren Bild zum inneren Moment — „Ich war es immer, ich hatte es nur vergessen“ — ist der stärkste Punkt des Gedichts. Er ist nicht laut, aber er markiert den Kern: eine Rückkehr zu etwas Selbstverständlichem, das im Alltag verloren geht. Was das Gedicht nicht tut: Es stellt keine Frage, es sucht keine Pointe, es will nichts beweisen. Es bleibt vollständig in der Wahrnehmung. Das ist eine bewusste Entscheidung, und sie trägt, weil du die Bilder klar hältst und nicht in Symbolik abgleitest. Insgesamt ein stilles, konzentriertes Stück, das seine Wirkung aus der Ruhe bezieht, nicht aus Überraschung. Liebe Grüße ![]() Falderwald
__________________
Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald) Für alle meine Texte gilt: © Falderwald --> --> --> --> --> Wichtig: Tipps zur Software |
|
|
|
![]() |
| Lesezeichen |
| Aktive Benutzer in diesem Thema: 6 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 6) | |
|
|
Ähnliche Themen
|
||||
| Thema | Autor | Forum | Antworten | Letzter Beitrag |
| Das Das Beben des Herzens Wenn mich deine Hand berührt, wenn mich dein Atem streift, | Taxi5013 | Liebesträume | 0 | 13.09.2025 08:57 |
| Atem. pausen | ginTon | Minimallyrik und Aphorismen | 0 | 02.03.2025 23:46 |