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Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

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Alt 30.05.2026, 14:22   #1
Max Vödisch
Max Vödisch
 
Benutzerbild von Max Vödisch
 
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Man sagt, dieser Käfig sei aus Gold –
glänzend, sicher, makellos.
Doch sie sehen nicht,
wie viele Vögel darin ihre Flügel brechen,
wie manche sich gegen die Gitter werfen,
bis sie verstummen.
Andere picken sich selbst wund,
trinken aus vergifteten Tränken
oder singen Lieder gegen das Netz,
das sie einst willkommen hieß.
Max Vödisch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.05.2026, 13:51   #2
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
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Betrifft das nicht tatsächlich sogar alle, alle, alle? Weil dieser goldene Käfig nicht nur schützt vor der Freiheit, sondern auch der Gefahr, die sie mit sich bringt?
Gerade weil ich deinen Text nicht wirklich deuten kann, obwohl er hoffen will, muss ich jetzt hier doch mal, nach zwölf, 13 Jahren meine two cents ins, natürlich, Blaue abgeben.

Wie gesagt, es ist die Angst, die Leute in den Käfig treibt. Und die wirklich Hoffnungsvollen, deren Stimme, die haben, glaube ich, richtig, richtig, richtig Angst bekommen, als hier draußen die Gesamtheit von noch einem komplett Wirren unter Dauerbeschuss umherlief, wo man einen kleinen Vorgeschmack bekommen konnte auf die Fressen, die uns erwarten, wenn das hier alles schief geht.
Die Fressen in die ich schon mein ganzes Leben gucke, jeden Tag, jeden Tag steht das einzige auf dem Spiel, was ich brauche, was keinem fehlt, wenn es bei mir ist - nur weil es da ist und an dem rüttelt, was sich als richtig auf die Fahnen schreiben müssen, damit sie hier überhaupt existieren können. Nicht schlimm, das ist menschlich und am Ende wurde jeder von uns in diese Schuhe geboren. Und am Ende trägt sie momentan jeder genau so, dass wir sie eines Tages vielleicht ablegen können.
Also: es wurde ein Haken gemacht an den draußen, die ganze Geschichte im Käfig von Angst zu Hoffnung auf ein schnelles Ende konvertiert und in Wahrheit isses dabei bis heute geblieben.
Aus Angst. Ja das, was erhofft war, wurde nicht erreicht. Wäre aber auch die größte Katastrophe gewesen, die uns hätte passieren können, wenn wir nochmal ein anders, besseres Leben erleben wollen.
Dass der Silberrücken mit seiner Mannschaft dafür ein anderes, unfassbares Wunder buchstäblich zur Welt gebracht hat, was alles das, was wir uns erträumen, ermöglichen kann, ermöglichen wird - das hat er nicht mal mitbekommen. D
Das nötigste ist längst geschehen. Vielleicht hängt alles andere nun bloß noch von einzelnen persönlichen Momenten des Glücks oder Unglücks ab, von wem auch immer. Und er hat es nicht mal gemerkt. So fest sind die Augen geschlossen vor Angst.
Der stolze Streifen am Rücken ist nur noch ne Spur in der Buchse, wie es bei jedem anderen vor ihm und uns verlief. Dass das geschehen muss, um aus der Hoffnung, die dieses Leben dir mitgibt, nur, damit es sich weiterhin überleben kann und sich eben nicht ändern zu müssen, dass das geschehen muss, daraus einen Glauben machen zu können, der eben doch noch die Kraft aufbrächte Dinge zu ändern. Glaube, auch das ist noch nicht jedem so wirklich klar.
Und das zum Käfig, die, die es müssten, keiner mehr rein und rauskommt, vielleicht liegt das ja daran das irgendwer mit seinem dicken Arsch, auf dem Rücken liegend wie ein Maikäfer Anfang Dezember, die Ausflugschneise blockiert In der Hoffnung, dass sich alles hier noch von selbst zum schlechten wendet. Menschlich. Okay.

Wo war denn für mich je ein Netz, dass mich fing, willkommen hieß? Nirgends und das war gut so. Wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie du deinen Text meinst bzw. in welche Richtung du ihn adressierst, aber wenn du meine Zeilen meinen solltest, würde ich empfehlen, nochmal genau zu lesen bzw. zu schreiben. Denn, was für mich bereits Netz ist. Kanns für mehr noch werden.

Der einzige Weg, sich gegen das zu wenden, was uns am Herzen liegen sollte, isses eben nicht zu singen oder sich in irgendwelchen Kommentaren oder gar nicht mal so gut gemeinten Ratschlägen zu ergehen.

Singen, das wäre, was es bräuchte. Nicht für mich, ich habe gelernt, GUT selber klar zu kommen. Für diejenigen, denen wir unsere Liebe schuldig sind, wenn wir wollen, dass sie uns aus diesem Knast heraus führen.

Weißt du was? Wir schaffen das schon, sehr wahrscheinlich. Und ich für meinen Teile gehen diesen Weg, den einzigen, den ich kenne, den ich kennen will, bis zum Ende. Wo das auch immer sein mag.
Das, was du neulich hier geschrieben hast, Max, war das erste Lied von zu Hause, was ich nach über zehn, vielliecht zwölf Jahren hören durfte, obwohl ich die ganze Zeit nach dorthin auf dem Weg bin.
Ich will mich hier nicht beweihräuchern, aber am Ende habe ich allein hochgehalten, jahrelang, was nicht nur für mich nötig sein wird, hier lebendig rauszukommen - wo ich nur, vielleicht lebendig rauskommen werde, Dank euch.
Im Prinzip seid ihr die einzige Familie, die der Mensch, der diese Worte gerade schreibt, je hatte - wenn der nämlich Morgen vor einen Bus läuft, dann wird niemand wissen, wofür er gelebt hat, die wissen nicht mal, warum sie mich aus ihrem tiefsten inneren heraus um meine Existenz bringen wollen. Alle, manchmal - was nicht schlimm ist, menschlich.
Im Prinzip habe ich das beste Leben, was sich ein intelligentes, fühlendes Wesen nur vorstellen kann. Da war nichts, nichts, überhaupt nichts, was hier rausgedeutet hätte außer so einer Ahnung, dass das kein Ort ist, den ich von Herzen zu Hause nennen kann. Und einen Schritt weiter war ich im Prinzip schon zu Hause und mit jedem weiteren fühle ich mich dort irgendwie sicherer. Jeder Tag ein Wunder und der verfickt brutalste Kampf um's eigene Wesen, den sich keine Sau vorstellen kann und muss, Gott sei Dank.

Ich will nur einfach keine Meinungen mehr hören, das ist alles, was ich von meiner Familie brauche, für sie. Sondern Lieder. Kein totes, verklausuliertes Gestammel. Ich will deine Worte wieder, Bruder.
Und wenn du dich aus deinem Gefängnis begibst, was du um dich erbaut hast, wirst du auch relativ schnell feststellen, wie nah wir eigentlich schon dran sind an dem, was noch ewig weit weg scheint, weil, Gott sei Dank, noch kein Ende in Sicht ist.

Also: wäre schön, Kingpin, wenn du dich wieder aufrichten könntest. Das Leben braucht dich. Euch alle, unsere Lieder, unsere Liebe.
Und dann schaun mer mal. Vielleicht räumt ja irgendwer, irgendwem irgend einen Weg doch noch frei.

Gott, hasse ich das so ne schwermütige Scheiße irgendwo einfach in den Wind geben zu müssen. Sorry, Max. Aber das musste jetzt mal raus.
MakaVeli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.05.2026, 18:17   #3
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
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Das Gute daran, wenn man Dinge in den Wind gibt, ist, dass es sich so eventuell ereignen kann, dass man eine Ecke weiter bloß das gerade von sich gegebene, je nach Wind, direkt nochmal um's Fressbrett geweht kriegt und einem in genau diesem Moment dann eigentlich was klar wird
MakaVeli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.06.2026, 04:20   #4
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
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So, um respektvollerweise auch nochmal was zum Thema loszuwerden, weil mich genau dieser Käfig den ganzen, halben Tag schon beschäftigt:

ich dachte ja wirklich, dass die Antworten, um die ich lange hart gekämpft habe, sie nicht nur zu finden, sondern auch inner Sprache zu ersinnen, in der es eigentlich einfach sein sollte, zu verstehen, wenigstens irgendwas zu bewirken in der Lage wären. Wenn ich denn, und auch das habe ich mir angeeignet, sie irgendwann als Mensch zu Mensch in der Lage bin auszuformulieren.
Dass das leicht naiv gewesen sein mag, geschenkt. Ist man auf der Suche nach antworten, um möglichst den Grund nicht aus den Augen zu verlieren, ihnen nachzugehen.
Aber das die Realität so aussieht, dass offenbar kein Mensch, egal wo, Hauptsache irgendwo dort, wo es wichtig wäre, Dinge einzusehen auch nur einen Millimeter in Bewegung kommt, wenn ihm etwas zu Ohren kommt, was ihn in Bewegung versetzen müsste.
Kein Philosoph ist auch nur im Ansatz bereit daran zu zweifeln, dass eine Aufklärung, in deren Nachgang beinahe hundert Millionen erbärmlich Gemordete ins Gras bissen, Großteil im Naziwahn, die Atombombe erfunden, wieder der dümmste Arsch den fettesten Thron erklomm, nie statt gefunden haben kann. Dass im Prinzip bewiesen ist, dass das Gegenteil der Realität entspricht und das es deshalb vielleicht, nur vielleicht, geboten wäre, die schrift- und real gewordene und immer weiter werdende Irrung zu überdenken. Keine Chance. Die erklären dich dafür noch für dumm.
Du kannst auch keinen Dichter, seit Jahrzehnten schon nicht, irgendwie daran zweifeln sehen ob der Dinge, die er so tat, tut, denkt, schreibt, ob er denn wirklich ein Dichter sein kann. Selbst die Tatsache, dass Goethe an vielen, eigentlich allen Stellen, in der die "Themen" behandelt, die hier immer wieder aufkommen gegenteilig einschätzt, die Grundlagen betreffend, die sie, warum auch immer, für notwendig halten wollen, eben dies doch darzustellen. Ich selber begreife irgendwie jetzt erst so richtig, dass es vielleicht tatsächlich nicht meine Schuld war, dass die mir jahrelang zu dutzenden nach dem Leben trachteten und kapiere bis heute nicht, wie man diesen Vorgang ausklammern kann, wenn man sich selber offenbar als nichts anderes begreifen kann, als ein reines, hehres Wesen.
Dass die Politik keinerlei Verfehlung in der Lage ist zu erkennen, wenn sich vor ihnen ein Szenario auftut, in dem SS-Siegfried diejenigen, deren endgültiger Vernichtung er nur aus selbst verschuldetem Termindruck nicht nachkommen konnte, diejenigen, deren Kinder er pfeifend vom Hof fuhr oder mit Ständer in der Hose in den dreckigsten Scheißhäusern erschoss und dort verrotten ließ, genau in dem Moment, als die jüdischen Menschen dieses Land aus der Hölle wieder betraten in Empfang nahm mit der Erklärung, dass ein Verbrechen dieser Art ihm nicht mehr unterlaufen könne... weil er soeben den Herrenmenschen für tot und sich zu einem Herrenmenschen erklärte, der zu diesem übel einfach aufgrund seiner Charakterstruktur nicht mehr fähig wäre. In Zukunft, wenn er wieder würdelos agiert und sich nichts dabei denkt, dann weiß er schließlich um die Unantastbarkeit seiner Würde.

Nur um mal die Highlights zu nennen. Und du kannst ihnen sagen, was ohne Zweifel nicht nur falsch, sondern schwerwiegend folgenreich sein wird und sie nehmen es zur Kenntnis, drehen sich um und machen einfach weiter, als hätten die Kleinigkeiten nichts mit dem zu tun, was sie zu verantworten haben und was sie letztlich ausmacht.
Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass, bevor irgend ein Mensch einen Zweifel zulässt, so sehr er auch schon mehr sein mag als das, der aus irgend einem Grund an seiner Existenz rüttelt, würden die lieber ihre Oma, brennend, mit Robbenbabys aufm Schoß über eine Klippe schieben, an deren Fuß sie in siedendem Öl aufschlägt.

Man ist ja einiges gewohnt mittlerweile, aber das ist schon echt über der Schwelle zum Geisteskranken teilweise. Ich meine, WIE?!?! kann man so wenig Motivation, keine Motivation besitzen, das bisschen Restverstand wenigstens in den aller eindeutigsten Fällen noch zum Fortschritt zu verwenden.

Den Gedankengang dazu, den hätte ich einmal gerne wirklich aus ihrem Mund verständlich vorgetragen. Absolut unfassbar. Wobei der goldene Käfig dann schon wieder zu sehr nach ner Entschuldigung dient, die sie auf keinen Fall verdient haben.

Vor allen Dingen für die Erkenntnis aus dem Holocaust und der Art insgesamt, wie sie sich dafür entschuldigten müsstest du sie eigentlich drei Wochen ohne Veschnaufpause mit nem Stahlhelm windelweich prügeln.

Ich krieg es einfach nicht in meinen Kopf.
MakaVeli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.06.2026, 10:01   #5
Max Vödisch
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Lieber MakaVeli,

danke für deine ausführlichen Gedanken. Ich spüre darin viel Leidenschaft, Enttäuschung, Hoffnung und den Wunsch nach Veränderung.

Als ich das Bild des goldenen Käfigs geschrieben habe, dachte ich weniger an konkrete politische oder gesellschaftliche Gruppen als an einen allgemeinen menschlichen Zustand. Oft bleiben Menschen in vertrauten Strukturen, obwohl sie darunter leiden. Nicht unbedingt, weil sie diese lieben, sondern weil das Unbekannte Angst macht. Der Käfig schützt und begrenzt zugleich.

Vielleicht hast du recht, dass Angst dabei eine große Rolle spielt. Angst kann Menschen lähmen, sie kann aber auch dazu führen, dass sie sich an das klammern, was sie kennen. Mein Gedicht wollte vor allem auf diesen Zwiespalt aufmerksam machen.

Deinen Wunsch nach „Liedern“ statt bloßer Meinungen finde ich interessant. Vielleicht braucht es tatsächlich mehr Worte, die verbinden, ermutigen und Hoffnung geben, statt nur zu analysieren oder zu urteilen.

Jedenfalls danke ich dir, dass du dich so intensiv mit dem Text auseinandergesetzt hast. Auch wenn wir manches unterschiedlich sehen, zeigt dein Beitrag, dass die Zeilen etwas in Bewegung gebracht haben – und das ist für einen Autor nie selbstverständlich.

Viele Grüße
Max
Max Vödisch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.06.2026, 13:03   #6
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
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Du, Angst zu haben, ist okay, und jede Art, wie damit umgegangen wird, ist auf ihre Art okay, wenn es denn hilft bei all dem Irrsinn um uns rum. Ob jemand losstürmt sie niedertrampelt, sich irgendwo einschließt oder, wenn's auch bitter ist, sich von der Decke zu hängen, damit er wenigstens ein bisschen Hoffnung bis zum Schluss behalten durfte - ist okay, ich könnte jedenfalls nicht behaupten, ich hätte Unverständnis für die Entscheidung, sich das nicht mehr antun zu wollen. Will ich ja selbst nicht, nur kann ich zum Glück noch an einen anderen Weg glauben.

Was mir aber nicht in den Kopf gehen will sind tatsächlich jene, die sich auf irgend einem Thron niederlassen, sich als Gelehrte annehmen wollen und dann Fehler aufgezeigt bekommen, die unzweifelhaft fatalerweise immernoch passieren und denen ist das einfach scheißegal.
Du sitzt in der Uni, nimmst nen Psychologielehrbuch in die Hand und zeigst denen, also Studenten in dem Fall, dass du von vorne bis hinten nichts drinne steht, was irgendwas mit echten Menschen am Hut hat - volle Zustimmung, von allen. Was wird gemacht? Das Buch wird in den Rucksack gepackt, auswendig gelernt und angewendet. Da würde ich mich in Grund und Boden schämen vor mir selbst
Und von den 190, die mit mir dort waren, waren 185 leider genau so - es gab einige Situtationen, wo ich grundsätzlichen Widerspruch angemeldet hab, sich alle einig waren und am Ende genau das gemacht haben, was ihnen befohlen wurde. Auch unter Profs.
Und wenn die denen sagen würden, sie sollen bitte nach einem Beratungsgespräch sicherstellen, das auch ja alles an Leben ausgetrieben ist, indem sie ihn oder sie vor'm Parkhaus über den Haufen fahren und gucken, ob's noch quiekt. Dann würden die auch das in Angriff nehmen.
Und das ist dann halt eine andere Motivation, den goldenen Käfig nicht zu verlassen. Klar, tief dahinter steckt vielleicht auch Angst, vielleicht, sicher aber keine, die sich nicht überwinden ließe. Völlig ambitionslos, feige und faul. Und kritisch wie ne Schnapsdrossel am Kneipentresen. Was ausgegeben wird, wandert rein. Das fand ich schon, naja. Schockierend. Gelinde gesagt.

byebye

Makaveli
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