![]() |
|
|
#1 |
|
Eiland-Dichter
Registriert seit: 28.10.2009
Beiträge: 48
|
In der dunklen Nacht
funkeln Diamanten hell weit im Weltenraum Über stillem Land webt das Silberlicht der Sterne einen sanften Traum Hinter schwarzem Wald zieht ein Schweif aus weißem Licht seine helle Bahn In der kalten Nacht spiegelt sich das Himmelszelt auf dem schwarzen See Silberner Poet wandert einsam durch das Blau bleicher Brudermond Aus der Dunkelheit fällt ein kurzes Sternenlicht wünsch dir leise was |
|
|
|
|
|
#2 |
|
Lim-Fee
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 208
|
Liebe Sunblower,
deine Haikus haben mich sofort in diese stille, klare Nachtstimmung gezogen, in der alles ein bisschen weiter wirkt als am Tag. Ich mag sehr, wie du die Bilder so leicht setzt — nichts Überladenes, nichts Drängendes, nur dieses feine Funkeln, das sich von Zeile zu Zeile fortträgt. Besonders schön finde ich, wie du die Bewegung im Himmel mit der Ruhe am Boden verbindest: der Schweif aus Licht, der schwarze See, der Mond als „silberner Poet“. Das hat etwas sehr Zartes, fast wie ein leises Gespräch zwischen Himmel und Erde. Und der letzte Haiku ist ein kleiner Schatz. Dieses „wünsch dir leise was“ hat mich richtig berührt — so unaufgeregt und trotzdem voller Wärme. Ein sehr schöner, stiller Sternenreigen. Herzliche Grüße von Xenia ![]() |
|
|
|
|
|
#3 |
|
Eiland-Dichter
Registriert seit: 14.08.2026
Beiträge: 44
|
Hallo Sunblower,
du hast mir zuallererst einmal einen neuen Bereich gezeigt. Und eine (von mir) fast vergessene Art des Gedichts. Dafür danke! Ich habe deine Haikus mit großer Freude gelesen und sie haben mich zum Nachdenken gebracht. Es ist wunderschön zu lesen, was und wie du alles in ein paar Silben packst. Du malst Bilder in drei Zeilen, für die braucht mancher Seiten. Deine Haikus sind poetisch und wunderschön. Liebe Grüße Floris |
|
|
|
|
|
#4 |
|
Eiland-Dichter
Registriert seit: 28.10.2009
Beiträge: 48
|
Hallo Xenia, hallo Floris,
vielen Dank euch beiden für eure Rückmeldungen zu meinen Haikus. Xenia, es freut mich, dass die Nachtstimmung bei dir so deutlich angekommen ist. Deine Beschreibung der Verbindung zwischen Himmel und Erde trifft tatsächlich das, was ich beim Schreiben im Kopf hatte. Auch das letzte Haiku sollte bewusst etwas Leises und Unaufdringliches behalten. Floris, danke dir für deine Worte. Es ist schön zu lesen, dass dich die Form der Haikus wieder ein wenig zurückgeholt hat. Die Kürze zwingt dazu, Bilder sehr konzentriert zu setzen, und ich freue mich, dass sie bei dir so klar angekommen sind. Grüße Sunblower |
|
|
|
|
|
#5 |
|
Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 27.08.2026
Ort: Bregenz
Beiträge: 10
|
Geschätzte Literaturgemeinde,
die gewählte Gedichtform des Haikus verlangt nach dem klassischen Prinzip der Reduktion: 5-7-5 Silben, keine Reime, pure Schärfe im Augenblick. Der vorliegende Zyklus fängt diese Struktur formal zwar exakt ein, krankt jedoch an zwei wesentlichen Punkten: 1. Metrische Monotonie und Füllwörter Ein gutes Haiku lebt vom Atem des Rhythmus. Hier wirken viele Zeilen künstlich gestreckt, um das Silbenkorsett zu erzwingen. Wörter wie „weit im Weltenraum“ oder „seine helle Bahn“ sind reine Pleonasmen (doppelte Aussagen) und Silbenfüller. Wenn etwas funkelt, tut es das ohnehin hell. 2. Der Griff in die Kitschschublade Inhaltlich bedienen die sechs Strophen leider fast jedes erdenkliche Klischee der nächtlichen Romantik-Lyrik. Bilder wie das „Silberlicht der Sterne“, der „sanfte Traum“, der „bleiche Brudermond“ oder das schmalzige „wünsch dir leise was“ am Ende hat man schon tausendfach gelesen. Es fehlt der eigenständige, überraschende Blickwinkel. Das vierte Haiku („In der kalten Nacht / spiegelt sich das Himmelszelt / auf dem schwarzen See“) sticht hier noch als das stärkste und handwerklich sauberste Bild heraus, da es ohne romantische Floskeln auskommt. Fazit: Formell sauber gezählt, inhaltlich jedoch zu seicht und reich an sprachlichen Stereotypen. Weniger Dekoration, mehr ungeschönte Beobachtung würde diesen Haikus den nötigen Tiefgang verleihen. Mit kritischem Gruß, Feder Zensor
__________________
Kritisiert wird der Text, niemals der Mensch. |
|
|
|
|
|
#6 |
|
Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.102
|
Liebe Sunblower,
dein Zyklus hat eine sehr klare, stille Schönheit. Du arbeitest mit Bildern, die nicht laut werden wollen, sondern sich wie kleine Lichtpunkte in der Nacht aneinanderreihen. Gerade diese Ruhe macht die Haikus für mich so angenehm zu lesen — sie wirken wie ein Spaziergang durch verschiedene Ausschnitte derselben Nacht, jeder mit einem eigenen, kleinen Fokus. Besonders stark finde ich das vierte Haiku, das Feder Zensor ja ebenfalls hervorgehoben hat: Das Spiegelbild des Himmels auf dem schwarzen See ist ein Bild, das ohne jede Verzierung auskommt und gerade dadurch eine große Kraft hat. Es ist ein Moment, der wirklich „Haiku“ ist — eine Beobachtung, die nicht erklärt werden muss. Was die Kritik von Feder Zensor betrifft: Er legt den Maßstab der klassischen japanischen Haiku‑Schule an, die radikale Reduktion und absolute Überraschung im Bild verlangt. Das ist eine legitime Perspektive, aber nicht die einzige. Deine Haikus folgen einer anderen Linie: der europäischen Naturlyrik, die sich nicht scheut, mit vertrauten Bildern zu arbeiten, wenn sie stimmig sind. Dass manche Formulierungen für ihn zu „romantisch“ oder „bekannt“ wirken, ist eher eine Frage seines strengen Ansatzes als ein objektiver Mangel. Für mich ist der Zyklus in sich geschlossen und atmosphärisch sehr klar. Du setzt die Nacht nicht als Kulisse ein, sondern als Raum, in dem sich kleine Bewegungen zeigen: der Schweif aus Licht, der Mond als „silberner Poet“, das Sternenlicht, das wie ein kurzer Besuch wirkt. Das sind keine Klischees, sondern klassische Motive, die du mit einer ruhigen Hand setzt. Und das letzte Haiku — „wünsch dir leise was“ — ist für mich kein Kitsch, sondern ein schöner, zurückhaltender Abschluss. Ein Haiku darf leise sein. Und manchmal darf es auch ein bisschen Hoffnung tragen. Ein stiller, schöner Sternenreigen. Liebe Grüße ![]() Falderwald
__________________
Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald) Für alle meine Texte gilt: © Falderwald --> --> --> --> --> Wichtig: Tipps zur Software |
|
|
|
![]() |
| Lesezeichen |
| Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1) | |
|
|
Ähnliche Themen
|
||||
| Thema | Autor | Forum | Antworten | Letzter Beitrag |
| Sternennacht | ginTon | Minimallyrik und Aphorismen | 0 | 21.01.2025 23:56 |
| Sternennacht am Sternberg | Friedhelm Götz | Ausflug in die Natur | 5 | 13.09.2012 09:42 |
| Regen - Haikus | Chavali | Besondere Formen | 9 | 01.06.2011 19:25 |
| Weg und Augenblick (6 Haikus) | Klatschmohn | Minimallyrik und Aphorismen | 3 | 23.12.2009 18:00 |