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Satire Zipfel Für Zyniker und andere Fieslinge

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Alt 14.02.2026, 23:38   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
Benutzerbild von Falderwald
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.015
Standard Dosenbrot & Batterien / Canned Bread & Batteries




Dosenbrot & Batterien

Die Fressen im Fernsehen sagen mir,
dass die Welt verreckt.
Sie tragen Krawatten, die mehr kosten als meine Miete
und raten mir zu Dosenbrot und Batterien,
damit ich beim großen Knall
wenigstens nicht mit leerem Magen abtrete.

Dann zeigen sie einen Regierungsheini,
der heute den Retter spielt
und morgen das Opfer,
je nachdem, wie der Wind oder jemand anderes bläst.
Dazu die Nachricht, dass ich bald für’s Atmen zahlen darf,
während die oben den Champagner
direkt in die Venen kriegen.

Schnitt.
Roter Teppich. Seide. Gold.
Schnitt.
Ein Kind verreckt im Staub.
Schnitt.
Kauf dir dieses Deo, du stinkendes Schwein,
sonst liebt dich keiner.
Ein verdammter Zirkus ohne Ausgang.

Ich sitze hier im Mief.
Das Glas ist trüb, der Fusel billig.
Durch die Wand kriecht das Kraut der Nachbarn.
Ein alter, süßlicher Geist.
Ihr Hund – ein Pitbull, nur aus Muskeln und Hunger –
ist wahrscheinlich schon high.
Wenn sie irgendwann zu ihrem Asi-Rap umkippen,
wird der Köter sie fressen,
bevor der Bass verstummt.

Sie nennen es Leben.
Ich nenne es Warten.
Draußen die große Lüge,
hier drin die kleine.
Wir hocken alle in unserer eigenen Pisse
und nennen die Wärme Heimat.

Der ganze Laden brennt lichterloh
und wir beschweren uns nur,
dass die Nacht
ein bisschen zu heiß ist.

Das Erwachen:

Am nächsten Morgen
weckt mich das Licht, das wie eine zerbrochene Flasche
durch das Fenster schneidet.
Mein Mund schmeckt nach einer alten Socke,
und der Bass der Nachbarn ist verstummt.
Vielleicht sind sie schon aufgefressen,
vielleicht schlafen sie auch nur den Schlaf der Gerechten.
Ich drehe mich um,
starre die Risse in der Decke an
und warte darauf,
dass die Fressen im Fernsehen mir sagen,
dass ich noch lebe.
Aber das tun sie nicht.
Dafür muss ich schon selbst sorgen.

Verdammte Scheiße…


Falderwald
. .. .


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English Version


Canned Bread & Batteries

The mugs on the screen tell me
the world is croaking.
They wear ties that cost more than my rent
and advise me to stock up on canned bread and batteries,
so when the big bang comes
at least I won't check out on an empty stomach.

Then they show some government hack
playing the savior today
and the victim tomorrow,
depending on which way the wind—or someone else—is blowing.
Followed by the news that I’ll soon be paying for the air I breathe,
while the ones at the top
get their champagne injected straight into the veins.

Cut.
Red carpet. Silk. Gold.
Cut.
A kid croaks in the dust.
Cut.
Buy this deodorant, you stinking swine,
or nobody will love you.
A goddamn circus with no exit.

I’m sitting here in the funk.
The glass is cloudy, the booze is cheap.
The neighbors' weed creeps through the walls.
An old, sweet ghost.
Their dog—a pitbull, nothing but muscle and hunger—
is probably high as a kite by now.
When they finally pass out to their trashy rap,
the mutt will eat them
before the bass even stops.

They call it life.
I call it waiting.
Outside, the big lie;
in here, the small one.
We’re all crouching in our own piss
and calling the warmth home.

The whole place is burning to the ground
and all we do is complain
that the night
is a little too hot.

The Awakening:

The next morning
the light wakes me, cutting through the window
like a broken bottle.
My mouth tastes like an old sock,
and the neighbors' bass has gone silent.
Maybe they’ve been eaten,
maybe they’re just sleeping the sleep of the righteous.
I roll over,
staring at the cracks in the ceiling,
waiting for the mugs on the screen
to tell me that I’m still alive.
But they don’t.
I’ve got to take care of that myself.

Goddamn it...


Falderwald
. .. .


__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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