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Alt 02.03.2016, 17:58   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Servus Erich,

du meine Güte, jetzt bist du schon bei Sonett Nr. 66 und ich bin erst beim dritten angelangt.
Du bist ganz schön kreativ momentan und scheinst durch die Malerei ja auch zudem noch hochinspiriert zu werden.

Es scheint, der liebe Gott habe mit der Erschaffung der Frau einen Riesenfehler gemacht. Er selbst ist männlich, seine Engel sind maskulin und dem ersten Menschen, den er aus Lehm formte, hat er auch ein Zipfelchen angehängt.

Wofür also zum Teufel brauchte es die Frau? Denn im Paradies sollte Adam doch unsterblich sein. So wären Nachkommen doch völlig unnötig gewesen, aber nein, der liebe Gott musste ihm eine Gefährtin erschaffen, damit er nicht so alleine ist.

Und was bitte sollten diese zwei den lieben, langen Tag auch treiben?
Sie mussten nicht arbeiten, die Trauben wuchsen ihnen in den Mund, die Tiere waren alle harmlos und die ganze Welt war friedlich eintönig.

Eben langweilig, wie so ein Paradies nun mal ist.

Da wäre es doch wohl das einzig wahre Wunder gewesen, wenn Eva ihrem Adam diesen Apfel nicht irgendwann angeboten hätte.

Doch ich könnte mir vorstellen, dass Evas Motivation dafür darin zu suchen ist, dass sie vorher tatsächlich eine Schlange gesehen hat.
Adams zeitweilige Schlange nämlich, was sie sicherlich sehr verwunderte, und die war sicherlich sehr verlockend, mehr als das Würmchen, welches auf dem Bild zu finden ist. Und wie könnte man diese besser hervorlocken?

Dir ist eine sehr schöne Beschreibung des Bildes gelungen.
Beide, Text und Bild zeigen die eigentliche Ursache des Scheiterns im Garten Eden.

Das musste ja so kommen...


Ich habe dieses exzellente Sonett gern gelesen und kommentiert...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald


__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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Alt 02.03.2016, 18:31   #2
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi, Faldi!

Bei Nr.3 erst? - Ha, du holst mich NIE ein!

Ich weiß nicht, ob du die Kommis alle gelesen hast, aber zu "Adam und Eva" schrieb ich auf Seite 3 dies:

Bezüglich Adam und Eva:

Ich interpretiere das Bild anders als die Bibel. Für mich ist die Schlange die Stimme der Vernunft, die versucht, die naiven "Gotteskinder" mündig und eigenverantwortlich zu machen. Sie steht für Aufklärung und Humanismus.

Der Gott will aber lieber dumme Unterlinge, die ihm täglich huldigen und ihm die metaphorischen Füße küssen, deshalb behauptet er, die Schlange wäre Lüge und Sünde - ein Totschlagargument, das bei buchstabengetreu Gläubigen bis heute vortrefflich verfängt: Bloß nicht selbst denken müssen - nur "glauben", egal, wie längst widerlegt, abstrus oder hirnrissig das jeweilige Welterklärungsmodell sein mag!

So wird die Schlange zum Sinnbild des Bösen, und die nun denkenden Menschen verlassen zwar das "Paradies" des tierhaften Existierens, können sich aber von ihrer Gottesfurcht, ihrem Aberglauben nicht lösen und bleiben "sündhafte" Beter: Die Schlange konnte sie nicht ganz von ihrem herrschsüchtigen "Vater" befreien!
Es soll so manchen Menschen bis heute ganz ähnlich ergehen ...

Scherz am Rande: Anderes Wort für Kontrollfreak? - "Gott"!


Ein Bilddetail am Rande: Es sieht fast so aus, als würde die Schlange aus der weiblichen Scham herauskriechen, da der Leib sich genau dahinter auf gleicher Höhe um den Stamm windet. Oder man könnte glauben, der ganze Schlangenschwanz sei in den Schoß der Frau geglitten.
Wie auch immer - wenn man es so interpretiert, macht es keinen guten Eindruck für die charakterliche Beurteilung des Weiblichen an sich!
Entweder Gebärerin des Übels oder damit in lüsternem Bunde!

Wozu also das Weib? - Als Sündenbock vielleicht? Auch in der radiaklen muslimischen Kultur ist die Frau ja quasi wertlos und unrein! Auch bei den orthodoxen Juden hat die Frau nichts zu melden. Ich mutmaße mal eine Tendenz von puristischen Religionen aus dem mittleren Osten, zu Frauen allgemein nicht sonderlich nett zu sein!
Was natürlich zeigt, welche Sorte Männer sie erfindet und aufrecht erhält!

Vielen Dank für deinen Kommi! Es freut mich sehr, dass ich nicht ganz vergessen bin, obwohl ich mich durch die Gegebenheiten des Forums sozusagen hier in diesem einzelnen Faden isoliere, solang ich ausschließlich daran schreibe.
Solang es Spass macht, schreibe ich hier weiter. Leider gehen mir zwischendurch öfter mal die "guten" Bilder aus, und ich muss das Netz abgrasen, um neue Inspirationsquellen zu finden.
100 Sonette sollen es diesmal werden - mal sehen, wie lang es dauert!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 02.03.2016, 19:56   #3
Dana
Slawische Seele
 
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Lieber eKy,

und wieder zog es mich in Deine Bilderausstellung - natürlich mit dem Sonettband in der Hand.
(Ich erfahre dabei immer ein "eitles Wohlgefühl" mich für wahre Kunst zu interessieren.)

Und wieder war ich voll des Staunens. Du hauchst den Bildern Leben ein.

Zu diesen möchte ich kurz etwas sagen:

Nr. 56 -Dogwood- (Bierstadt)
Die Verse vom tieferen Gedankengut, um nicht am Gewicht der Wirklichkeit zu zerbrechen sind für mich allerhöchste Poesie.

Nr. 59 -Sturm in den Bergen- (Bierstadt)
Das Sonett ist gewaltig (so gut). Das Bild selbst flößt Bangen ein und dieses wird im Gedicht noch emotionaler.

Nr. 63 -Kinder- (V.Serov)
Die darin ersichtiliche und im Sonett verdichtete einstige Artigkeit der Kinder hat mich fast traurig gemacht. So geht es mir aber immer, wenn ich Bücher, Filme oder Bilder jener Zeit lese, anschaue und betrachte. Jedes Mal denke ich an meine Kinder und bin froh, dass sie nicht damals "leben mussten".
Ich weiß, dass es heute und einst sehr viele unglückliche Kinder gibt und gab. Immer gab es die Ärmsten, immer gab es Kriege und Katastrophen. Das meine ich nicht.
Mich betrübt die einstige Strenge und angeforderte "Artigkeit" in der Erziehung.

Nr. 61 -Totenbett- (E. Munch)
Hier hielt ich mich etwas länger auf, weil Dein Sonett sehr berührte.
Vielleicht fiel mir deshalb auf, dass das Wort "Egal" im letzten Vers so gar nicht zu eKy passt. Ich kann es nicht erklären, es fiel mir nur auf.
Vielleicht: "Zu spät, der Tod hat ihn darum betrogen."

Nr. 64 -Junge mit Hund- (E. Manet)
Allerliebst interpretiert!!!
Das wäre z.B. ein Bild, dass ich (wenn ich ganz viele Zimmer hätte und eines davon groß genug für 3000 Bücher und einer freien Wand für Gemälde) mittig von Kinderfotos und Kinderzeichnungen anbringen würde.
(Meine Kinder sind sehr tierlieb, so dass es auch ihnen gefallen würde.)

Vielen Dank nochmals für Freuen, Nachdenken und Genießen.

Liebe Grüße
Dana
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Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 02.03.2016, 20:15   #4
Erich Kykal
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Hi, Dana!

Vielen Dank für dein begeistertes Interesse! Eine ganze Woche war ich nun allein hier und dachte schon, man hätte mich vergessen!

Dank dir und einiger weniger Getreuer habe ich überhaupt noch das Gefühl, dass man mich liest!


Interessant, wie andere Augen manches bewerten. Meist hätte ich andere Sonette als Lieblinge ausgewählt - da sieht man, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist! Aber es freut mich - scheinbar ist für jeden Geschmack was dabei!

Viel Freude hier weiterhin!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
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Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.03.2016, 17:53   #5
Agneta
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53 und 50 haben wieder deinen typischen Stil, den ich so mag, lieber Erich.
LG von Agneta
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Alt 03.03.2016, 17:58   #6
Chavali
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Lieber Erich,

Zitat:
Eine ganze Woche war ich nun allein hier und dachte schon, man hätte mich vergessen!

Dank dir und einiger weniger Getreuer habe ich überhaupt noch das Gefühl, dass man mich liest!
aber natürlich wirst du gelesen - schau dir doch mal die Klickzahlen an.
Da bist du einsame Spitze

Dein Output ist genauso bewundernswert wie die Qualität deiner Gedichte.

Das mal dazu - ohne auf ein bestimmtes Bild plus Sonett einzugehen

Lieben Gruß!
Chavali
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.
© auf alle meine Texte
Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz

*
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Alt 03.03.2016, 18:05   #7
Erich Kykal
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Beiträge: 8.570
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Hi, Agneta!

50 und 53 - Du sprichst von der Tragödie von Picasso und dem Bachgedicht zu Monsted.
Was hier den speziellen "Touch" ausmacht - im Vergleich zu anderen Werken - ist mir nicht ersichtlich.
Aber vielen Dank für das schöne Lob!


Hi, Chavi!

Ich meinte von den Usern hier. Die Klickzahlen sind großteils Gäste, aber von den Mitgliedern kommentieren hier nur wie gesagt eine Hand voll. Aber soll sein. Manche mögen mich nicht, manche mögen meinen Stil nicht, und manche sogar beides zusammen!
Solange ich dich und die anderen Getreuen habe, bin ich glücklich!


LG, eKy
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Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (04.03.2016 um 14:22 Uhr)
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