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Alt 18.07.2026, 13:41   #4
MakaVeli
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 18.04.2021
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Ahh, here we go, das kommt wie gerufen: erstmal gefällt mir dieses Gedicht in diesem selbst gewählten Rhythmus vom Fluss her viel, viel besser, als die anderen, die ich so von dir gelesen habe - man bekommt eine Ahnung vom Klang deiner Stimme.

Sonst allerdings, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass du hierfür, egal, wo du es vorlegst, Applaus ernten wirst, stelle ich mir weiterhin die Frage: ist die Fantasie, auf die du dich hier verlegst, ein Raum, der alles umschließen will, oder einer, der ausschließt, dich einzuschließen? In jedem deiner letzten Gedichte, abgesehen von "Zäsur", ist da irgendwie, irgendwo, irgendwer vor dem du dich irgendwie meinst fliehen zu müssen, der Dichter, dessen Ton dein Trommelfell maltretiert, die Fressen im TV, der PitBull (zu bedenken: wenns nur Muskel ist und nen Maulkorb trägt, tragen soll, könnte es sich in dieser Welt vielleicht auch um ein freies Herz handeln, Beschreibung passt auf beide), hier spielt auch wieder eine uferlose Unterwelt eine Rolle - fast könnte man meinen, es sei der immer selbe Raum in gleicher Größe, in dem sich die Dinge abspielen. Was sich ändert, ist die Tapete, im Gegensatz zum Anstrich, den du dir selbst gibst, wenn sich in deinen Texten ständig ein Wesen auftut, dass sich vom Leben um sich herum bedroht fühlt, weil es sich offensichtlich einfach zu wunderbar und rein hält für diese, aus irgend einem, nicht näher klar werdenden Grund. Und da werde ich stutzig, immer. Und wurde es bisher auch noch nie grundlos.
Weißt du, dein Geschmack an Gedichten sei dir unbenommen, aber kannst du verstehen, dass es durchaus auch als Dissonanz wahr genommen werden kann, wenn du den miesen Kern dieser Welt, auf dem deine Gedichte einerseits explizit basieren, überall siehst, nur nicht in dir? Er steckt, ohne sich immer böswillig zu äußern, in jedem von uns und gerade Dichter müssten doch mit diesem Umstand arbeiten, anstatt sich durch ihn bloß zu schmücken. Irgendwas passt nicht, wenn du auf dieser kranken Basis, über die wir nicht diskutieren brauchen, innerhalb deiner Gedichte, offensichtlich einfach qua deiner selbst erwächst zu ihrem makellosen, schilldernden Gegenteil. Irgendwas passt da nicht. Oder nicht?
So wird doch aus Fantasie, der Ebene, auf der wir denken, fühlen, kämpfen dürfen und müssen, wo Dinge schön sein können, einfach nur, indem wir ihnen einen Sinn geben, doch nen Bunker. Und in ihm alles grauingrau, gerade wenn's auffällig , zu auffällig, glitzert.
Womit wir beim nächsten Punkt wären, meinem absoluten Steckenpferd: Bildern. Fliegende Wale mit silbernen Flügeln? Gehen klar, ebenso wie die Wasserfälle, die hochwärts fließen. Seifenblasen, die aus Wolken RASEN; too much. Erst Recht, wenn sie die Richtung des wehenden Windes offenbaren, indem sie trotz ihrer Freiheit einem Weg folgen, der ein linearer ist. Du verfällst innerhalb dieser Strophe in Kitsch, und ich weiß, was es bedeutet, wenn dieser einem Dichter unterläuft.

Versteh mich nicht falsch, ich bin der letzte Mensch, der es nicht verstünde, wenn sich jemand hier wegwünschen wollte, wir sind zwei Mausklicks und wenige Sekunden von Threads entfernt, wo mir breit grinsend mein baldiger Tod prophezeit, die Reste, die die Einsamkeit zweitweise aus mir machte, choral belacht werden.
Aber gerade deshalb. Gerade deshalb...

Und von mir aus darfst du auch gerne glauben, die Dinge, die ich hier sage, seien irgendwie Beweis sowohl für die Richtigkeit sowohl deines Flucht- als auch des Beißreflexes, der damals eben zu Dingen führte.
Wahr ist trotzdem lediglich, dass ich bloß schuldig bin, deine Gedichte mit freien Sinnen gelesen und überdies mit Respekt behandelt zu haben, auch wenn ich diesen, zugegeben, vor dir als Person, nicht habe.
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