Gedichte-Eiland

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Xenia 26.08.2026 02:02

Aus der Tiefe
 
Aus der Tiefe

Ich konnte dich nicht mehr erreichen,
als du in dieses Loch gefallen bist
und habe jedes Lebenszeichen
von dir in jener Zeit vermisst.

Vielleicht war es auch nur Routine,
die unser Heim gespalten hat,
ich sah in dieser Hausruine
der Liebe letzte Ruhestatt.

Denn unser Leben lag in Trümmern,
kein Lichtblick mehr und es war kalt,
die Seele schien mir zu verkümmern
und die Gefühle abgeprallt.

Die Liebe aber zu begraben
nach dieser schicksalhaften Zeit,
die wir in uns getragen haben,
nein, dazu war ich nicht bereit.

So habe ich ein Seil gewunden
und ließ es runter in dein Loch,
da hast du es zum Glück gefunden
und deshalb sind wir immer noch.


Floris 26.08.2026 17:04

Liebe Xenia,

egal ob deine Texte lustig oder nachdenklich sind, immer liefern sie mir eine kleine Miniatur, ein vollständiges Bild der Gefühle und der Umstände. Dein Text aus der Tiefe hat mich sehr berührt. Nicht nur weil er Umstände und Gefühle messerscharf beschreibt, sondern auch weil sein Ende so versöhnlich und positiv ist. Er hinterlässt eine Hoffnung, die ich sehr gerne in mein Leben mitnehme.
Liebe Grüße
Floris

Sunblower 27.08.2026 18:25

Hallo Xenia,

dein Gedicht beschreibt sehr klar den Moment, in dem eine Beziehung an einem Tiefpunkt angekommen ist und beide Personen sich voneinander entfernt haben. Die ersten beiden Strophen zeigen, wie der Verlust von Nähe und Routine zu einem Gefühl von Leere und innerem Zerfall führt. Die Worte „Loch“, „Hausruine“ und „Ruhestatt“ erzeugen eine Atmosphäre von Stillstand und emotionaler Kälte.

In der dritten Strophe wird deutlich, dass die Situation für den Sprecher kaum noch Hoffnung bereithält. Die Bilder von „Trümmern“, „verkümmernder Seele“ und „abgeprallten Gefühlen“ verstärken den Eindruck, dass die Beziehung an einem kritischen Punkt angekommen ist.

Die vierte Strophe zeigt jedoch, dass der Sprecher nicht bereit ist, die Liebe aufzugeben. Das Bild des Seils, das in das „Loch“ hinabgelassen wird, steht für den Versuch, die Verbindung wiederherzustellen und dem anderen einen Weg zurück zu bieten. Die letzte Zeile betont, dass dieser Versuch erfolgreich war und die Beziehung dadurch fortbesteht.

Insgesamt beschreibt das Gedicht den Weg von Entfremdung und emotionaler Dunkelheit hin zu einem Moment der Rettung und des Zusammenhalts.

Grüße Sunblower




Xenia 03.09.2026 11:43

Liebe Floris,

deine Worte haben mich wirklich berührt.
Es freut mich sehr, dass du in dem Gedicht dieses vollständige kleine Gefühlsbild gesehen hast — genau so wollte ich es erzählen: klar, ohne Umwege, und mit einem Ende, das nicht beschönigt, aber trotzdem Hoffnung lässt.

Dass du diese Hoffnung für dich mitnehmen kannst, bedeutet mir viel.
Manchmal sind es gerade die schweren Momente, die uns zeigen, wie wichtig es ist, ein Seil zu haben — oder eines zu knüpfen.

Danke dir für deinen warmen Blick.

Herzliche Grüße von Xenia :)


Hallo Sunblower,

danke dir für deine ausführliche und sehr klare Rückmeldung.
Ich finde es immer spannend, wie präzise du die Struktur und die Bildsprache eines Textes herausarbeitest. Deine Beobachtung zu den ersten Strophen trifft genau das, was ich zeigen wollte: diesen Moment, in dem etwas auseinanderfällt, ohne dass man es sofort begreift.

Auch die Deutung des Seils als Versuch, die Verbindung wiederherzustellen, entspricht meiner Intention. Für mich war es wichtig, dass der Text nicht in der Dunkelheit endet, sondern in einem kleinen, aber entscheidenden Akt der Hinwendung.

Ich freue mich, dass du den Weg vom Zerfall bis zur Rettung so klar nachzeichnen konntest.

Herzliche Grüße von Xenia :)


Falderwald 09.09.2026 11:30

Liebe Xenia,

dein Gedicht arbeitet mit einer ruhigen, konsequenten Bildsprache: Loch, Ruine, Trümmer, Seil. Das ist schlicht, aber wirkungsvoll, weil du die Metaphern nicht überdehnst. Die ersten drei Strophen zeigen den Absturz und die Entfremdung ohne Drama, nur mit nüchterner Feststellung. Die vierte Strophe ist der Wendepunkt, und der funktioniert, weil du ihn nicht pathetisch inszenierst, sondern als Entscheidung formulierst.

Das Seil in der letzten Strophe ist ein starkes Bild, weil es aktiv ist: kein Hoffen, kein Warten, sondern Handeln. Der Schluss ist leise, aber klar – „und deshalb sind wir immer noch“ – das trägt.

Ein stimmiges, geschlossenes Gedicht, das seine eigene Schwere hält, ohne zu drücken.


Liebe Grüße :)

Falderwald



Taxi5013 12.10.2026 14:33

es gibt das Wort -Hoffnung-,in einer Zeit der Unsicherheit, der Verzweiflung, darf die Hoffnung nicht verschwinden.
In jeder Partnerschaft/Ehe, gab es doch einmal eine Zeit voller Liebe, voller Zärtlichkeit, diese Zeit kann man doch nicht vergeßen.

Du beschreibst es wunderbar, nachvollziehbar.

Hab ich gern gelesen.

LG vom Taxi5013


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