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Der Tag beginnt mit Spaß Humor und Übermut

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Alt 19.10.2010, 13:46   #1
Falderwald
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Standard Deutschländer

Deutschländer


Ich habe mich gefragt, wer mag
der Lüneburger Heide sein
und suchte diesen Menschenschlag,
doch fand ihn nicht, das ist gemein.

Auch waren die Ostfriesen nicht
im Osten, sondern mehr Nordwest,
was hoffentlich nicht dafür spricht,
daß mich mein Richtungssinn verlässt.

Der Schwarzwald gab mir Rätsel auf,
denn der ist überhaupt nicht schwarz,
so nahm ich schweigend mit in Kauf,
es klebt ein Brocken nur im Harz.

Im Ruhrgebiet war niemand krank,
die Schweiz liegt tief im Sachsenland,
und Deutsch ist bei der Deutschen Bank
nur noch im Namensteil bekannt.

So ist es nicht verwunderlich,
daß selbst der Bundespräsident
auch den Islam ganz öffentlich
nun einen Teil von Deutschland nennt.


Falderwald
. .. .


Alternative erste Strophe:

Ich habe mich gefragt, wer denn
der Lüneburger Heide sei
und suchte diesen Gentleman
vergeblich in der Ketzerei.
__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



Geändert von Falderwald (25.10.2010 um 20:23 Uhr) Grund: Korrektur und alternative Strophe eingestellt.
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Alt 19.10.2010, 23:07   #2
ginTon
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hallo lieber faldi,

ich finde deinen text mehr als korrekt, locker humoristisch eben, denn ehrlich ist
es so wie es ist, jeder wundert sich im grunde über den anderen, zB Ostfriese
etc. aber im großen und Ganzen ist doch alles sehr offen, und genau diese
offene lustige Art ist eigentlich der richtige Weg..gerne und mit einem
schmunzeln gelesen...

liebe grüße gin
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„Wir werden was wir denken" (Buddha)


Flüstere zu den Felsen, in dem versteckten lauscht etwas (Same)
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Alt 19.10.2010, 23:46   #3
Gert-Henrik
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Hallo Faldi

Ich habe mich gefragt, wer _mag_ (´denn´?)
der Lüneburger Heide sei_n (´sei -` ?)
und suchte diesen Menschenschlag,
doch fand ihn nicht, das ist gemein.


Super!

(Auch) nahm ich schweigend (mit) in Kauf(
es klebt ein Brocken nur im Harz.


Wie wäre es mit den Änderungen?
--
"So ist es nicht verwunderlich,
daß selbst der Bundespräsident
auch den Islam ganz öffentlich
nun einen Teil von Deutschland nennt.
"

Das "so" ist für mich in dem Zusammenhang verwirrend. Der Brückenschlag von Region zu Re_li_gion ist mir etwas zu gewagt

Und: Ja, der Islam ist selbstverständlich ein Teil dieses Landes - da halte ich es ganz mit Voltaire!

Gerne gelesen!
L.
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Alt 20.10.2010, 11:53   #4
norbert
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hi ralf,
was da so nett und lustig anfängt, wendet sich am ende der vierten strophe
(habe mich auch shon öfter gefragt, warum ein schweizer chef der deutschen bank ist - erinnert mich immer spontan an den österreicher, der....ach, lassen wir das...) und trifft mit dem letzten "scherzhaften" wortgespiele tief ins schwarze.
dass der islam nun ein teil unseres christlichen abendlands sein soll, is mal was neues, man lernt ja gerne dazu.
heißaßa, sind wir multikulturell und liberal!
-----------------------------------------------
"Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheit, deren geographische Verbreitung sich leider auf Deutschland beschränkt."
(Otto v. Bismarck im preußischen Landtag.
-------------------------------------------
An plumpen Fabeln und abgeschmackten Mährchen läßt er sich bisweilen genügen: wenn nur früh genug eingeprägt, sind sie ihm hinlängliche Auslegungen seines Daseyns und Stützen seiner Moralität. Man betrachte z.B. den Koran: dieses schlechte Buch war hinreichend, eine Weltreligion zu begründen, das metaphysische Bedürfniß zahlloser Millionen Menschen seit 1200 Jahren zu befriedigen, die Grundlage ihrer Moral und einer bedeutenden Verachtung des Todes zu werden, wie auch, sie zu blutigen Kriegen und den ausgedehntesten Eroberungen zu begeistern. Wir finden in ihm die traurigste und ärmlichste Gestalt des Theismus.

(Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, Kapitel 17, Ueber das metaphysische Bedürfniß des Menschen)
-----------------------------------------------
Einzelne Muslime mögen großartige Qualitäten aufweisen, aber der Einfluss der Religion lähmt die gesellschaftliche Entwicklung derer, die ihr nachfolgen. Es gibt keine stärker rückschrittliche Kraft auf der Welt. Weit entfernt davon, dem Tod geweiht zu sein, ist der Mohammedanismus ein militanter und bekehrerischer Glaube. Er hat bereits in Zentralafrika gestreut, zieht bei jedem Schritt furchtlose Krieger heran, und wäre nicht das Christentum in den starken Armen der Wissenschaft geborgen, der Wissenschaft, gegen die er (der Islam) vergeblich gekämpft hat, würde die Zivilisation des modernen Europas vielleicht fallen, so wie die Zivilisation des alten Roms gefallen ist.“

Aus: Sir Winston Churchill; “The River War”,
---------------------------------------------------------
lieber gruß
norbert

Geändert von norbert (20.10.2010 um 12:23 Uhr)
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Alt 20.10.2010, 19:13   #5
Gert-Henrik
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@Geschichtsbert:

Bismarck: tot seit 1898
Schopenhauer: seit 1860
Churchill: seit 1965

... und was hat sich nicht alles bewegt auf dieser Welt in den letzten 45 Jahren.
Dinge ändern sich, auch mal fundamental.

Deutschland wird Teil eines riesigen Euroraumes werden, in dem der Islam ein völlig normaler Bestandteil des Alltags sein wird. So wie Glocken bimmeln usw. darf mE selbstverständlich auch ein Muezzin rufen - das nicht auszuhalten fände ich schon traurig.

LG
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Alt 20.10.2010, 23:09   #6
norbert
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@limes

Zitat:
Deutschland wird Teil eines riesigen Euroraumes werden, in dem der Islam ein völlig normaler Bestandteil des Alltags sein wird. So wie Glocken bimmeln usw. darf mE selbstverständlich auch ein Muezzin rufen - das nicht auszuhalten fände ich schon traurig.
woher weißt du das so sicher? die globalisierung mag dafür sprechen, aber da viele menschen dabei zu kurz kommen, kann das auch zu riesigen konflikten führen, wer weiß das schon...

ich denke, dass aufgeklärte menschen ohnehin nicht sehr religiös sind, eher philosophisch orientiert.
und wenn schon religion, dann ist mir die christliche deutlich lieber, die "in den starken armen der wissenschaft (aufklärung)" geborgen ist.

Zitat:
... und was hat sich nicht alles bewegt auf dieser Welt in den letzten 45 Jahren.Dinge ändern sich, auch mal fundamental.
durch die technisierung hat sich enorm viel in den äußeren abläufen geändert.
aber nicht nur - das internet hat nämlich auch bewirkt, dass die unterschiedlichen kulturen nicht mehr gezwungen sind, sich in einer anderen kultur anzupassen, die gruppen bleiben nämlich durch das net weltweit in engem kontakt...

lieber gruß
norbert
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Alt 21.10.2010, 02:33   #7
Falderwald
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Hi gin,

ok, die armen Ostfriesen haben ja nun schon genug abbekommen, so daß wir hier nicht weiter auf sie einprügeln wollen.
Aber diese offene Welt kann manchmal auch eine ziemlich verkehrte Welt sein, zumindest scheint es so, denn es gibt ja bekanntlich immer verschiedene Standpunkte und damit Betrachtungsweisen. Und was liegt da näher, als dies einmal satirisch aufs Korn zu nehmen?
Wenn dir das gefallen hat und ein Schmunzeln entlocken konnte, dann freut mich das natürlich...

Bitte unten weiter lesen...


Moin Limes,

in dieser Antwort gehe ich jetzt mal nur auf das Formale ein. Zum Inhaltllichen äußere ich mich noch einmal gesondert weiter unten.

Ich kann deinen Vorschlag zu Strophe 1 jetzt irgendwie nicht nachvollziehen.
Wofür braucht es in diesem Satz die Konjunktion "denn"?
Ich habe mich gefragt, wer mag der Lüneburger Heide sein...
Ich finde, der ist vollständig und korrekt und wüsste jetzt auch nicht, was ich daran ändern soll, zumal es auch reimtechnisch wunderbar damit weitergeht.

(Auch) nahm ich schweigend (mit) in Kauf(
es klebt ein Brocken nur im Harz.


An diesen Zeilen werde ich noch mal werkeln, versprochen. Aber das "auch" möchte ich da nicht haben. Das hatte ich schon so ähnlich, jedoch fiel mir später auf, daß ich den Begriff schon zwei Mal verwendete.
Aber dein Hinweis ist in Ordnung, die Zeilen klingen ein wenig unbeholfen und da muss ich noch mal ran.

Bitte lies unten weiter...


Hi zitatbert,

mit dem Text ist es so, wie im richtigen Leben: Manch guter Scherz nimmt oft ein überraschendes Ende.
Den Österreicher lassen wir ruhen und den Schweizer hast du ja nun schon bedichtet, ich bleibe daher bei den Deutschländern...

Es ist heutzutage nicht ganz leicht in Deutschland, zu bestimmten Themen etwas zu sagen, und damit nicht gegen die sogenannte "Political Correctness" zu verstoßen.
Und wem haben wir das zu verdanken. Dem Österreicher (s.o.), aber den wollten wir ja eigentlich ruhen lassen.

Die Zitate habe ich mir durchgelesen. Bitte lies unten weiter...


Noch mal: Hallo zusammen,

lasst mich bitte zunächst etwas zum Titel sagen:

Der Titel "Deutschländer" ist mehrdeutig.
Es handelt sich natürlich nicht um die bekannte Würstchenmarke, obwohl der kleine deutsche Mann und Arbeiter heute durchaus als armes kleines Würstchen... - aber lassen wir das jetzt.
Zum einen soll er Deutschländer benennen, wie z.B. die Ostfriesen oder den imaginären "Lüneburger Heiden", zum anderen Deutsche Länder oder Landschaften, wie den Schwarzwald, Harz usw...
Natürlich darf der oberste Deutschländer nicht fehlen, nämlich der Herr Bundespräsident.
Ebenso meint er aber auch jene Mitbürger, die sich selbst oft scherzhaft als Deutschländer bezeichnen und bei jenen handelt es sich meist um Muslime.

Somit wäre @Limes, der Brückenschlag von Menschen über Landschaften, bis hin zu Kapital und Politik und schließlich zur Religion vielleicht etwas leichter nachvollziehbar, denn die Komplexität des Textes reicht viel tiefer.

Ob der Islam wirklich ein Teil unseres Landes ist, darüber darf diskutiert werden, was ja nun auch ganz öffentlich geschieht.

Warum du, limes, allerdings ausgerechnet Voltaire, der bekannt dafür war, alle Religionen zu verspotten, hier anführst, verstehe ich nicht ganz.
Soweit mir bekannt ist, hat jener das Drama „Mahomet ou le fanatisme“ (Mohammed oder der Fanatismus) verfasst, welches unser ehrenwerter Herr Goethe ins Deutsche übertrug.
Daß er dabei den Islam benutzte, um versteckte Kritik am christlichen Glauben zu üben, macht es nicht glaubhaft, daß er wirklich etwas für diese Religion übrig hatte.
Außerdem hat Voltaire schon anno 1778 das Zeitliche gesegnet und die von norbert aufgeführten Zitate sind alle wesentlich jünger.

Natürlich hat sich die Welt in den letzten 45 Jahren bewegt und viele Dinge haben sich verändert.
Doch was ist mit dem Islam? Hat der sich mit verändert?
Es entsteht manchmal der Eindruck, daß diese Religion sich noch im Mittelalter befindet, sich nicht weiter entwickelt hat und sich auch nicht weiter entwickeln will, um an den alten Strukturen festzuhalten.

Wer kann eine Multikulti-Gesellschaft wollen und dabei jene Religionen integrieren wollen, die permanent Menschenrechtsverletzungen aus Glaubensgründen zulassen und begehen?

Alleine schon die schlechtere Gesellschaftsstellung der Frau widerspricht allen Aufklärungsversuchen in jener (unserer) Welt, die globalisiert werden soll, wogegen sich die islamischen Länder aber vehement und mit Erfolg zur Wehr setzen.

Wie soll das funktionieren, daß Menschen friedlich zusammen leben, die aus völlig unterschiedlichen Gesellschaftssysteme stammen und völlig andere Vorstellungen von Moral und Ehre besitzen und sich deshalb gegenseitig verachten?

Das wird eine schwere Aufgabe für die Politik und deshalb sollte man auch ganz vorsichtig damit umgehen, etwas als Teil eines Ganzen zu bezeichnen, wenn dieser Teil nicht mit der gewachsener Gesellschaftsstruktur konform geht.

Sicher ist nur eines: Dieser Teil ist da und wir müssen damit leben, ob wir das wollen oder nicht.
Und es liegt ganz allein an diesem Teil, ob er ein Teil des Ganzen ist/wird oder nicht.

Dazu gehört Toleranz und diese darf nicht einseitig sein !

Wir sollten froh sein, daß die christliche Kirche sich nicht durchsetzen konnte und wir in einem Land leben, wo Staat und Religion streng getrennt sind.

Übrigens: Auf das Glockengebimmel kann ich auch gerne verzichten.
Vielleicht sollten wir das mal nach Teheran exportieren, um die dortige Toleranz zu bemühen.
Im Gegenzug darf dann der Muezzin täglich fünf Mal sein "Allahu akbar" hier ausrufen.

Das wäre dann gegenseitige Völkerverständigung.
Ich befürchte nur, nach Teheran will niemand hin. Warum nur?


Eigentlich hatte ich nicht vor, eine politische oder religiöse Diskussion zu entfachen, sondern einfach einen satirischen Text mit einem aktuellen Zeitbezug zu verfassen.

Aber manchmal kommt es eben anders...


Vielen Dank für eure Kommentare und Meinungen...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald
__________________


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Falderwald ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.10.2010, 08:21   #8
Gert-Henrik
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Moin moin

Zitat:
Zitat von Falderwald Beitrag anzeigen
Moin Limes,

in dieser Antwort gehe ich jetzt mal nur auf das Formale ein. Zum Inhaltllichen äußere ich mich noch einmal gesondert weiter unten.

Ich kann deinen Vorschlag zu Strophe 1 jetzt irgendwie nicht nachvollziehen.
Wofür braucht es in diesem Satz die Konjunktion "denn"?
Ich habe mich gefragt, wer mag der Lüneburger Heide sein...
Ich finde, der ist vollständig und korrekt und wüsste jetzt auch nicht, was ich daran ändern soll, zumal es auch reimtechnisch wunderbar damit weitergeht.
hm, da habe ich meine Idee wohl zu kryptisch dargestellt. Gemeint war eine leicht andere Formulierung, die mir einen Tick spritziger erschien:

Ich habe mich gefragt, wer denn
der Lüneburger Heide sei


Zitat:
Warum du, limes, allerdings ausgerechnet Voltaire, der bekannt dafür war, alle Religionen zu verspotten, hier anführst, verstehe ich nicht ganz.
Soweit mir bekannt ist, hat jener das Drama „Mahomet ou le fanatisme“ (Mohammed oder der Fanatismus) verfasst, welches unser ehrenwerter Herr Goethe ins Deutsche übertrug.
Daß er dabei den Islam benutzte, um versteckte Kritik am christlichen Glauben zu üben, macht es nicht glaubhaft, daß er wirklich etwas für diese Religion übrig hatte.
Außerdem hat Voltaire schon anno 1778 das Zeitliche gesegnet und die von norbert aufgeführten Zitate sind alle wesentlich jünger.
hehe, was das mit dem Zitat angeht: touché ...
Und denn Voltaire hatte ich dazu noch aus der Hüfte getippt: Mir ging es um seinen Anspruch, dass man auch zu den anstrengendsten Ansichten und Meinungen (die ja Teil einer gelebten Religion sind) ein unbedingtes Recht hat - egal wie sehr sie andere stört. Er mag also gar nichts für den Glauben übrig gehabt haben - das Recht diesen Glauben auszudrücken hätte er aber mit seinem Leben verteidigt (vielleicht ).

Liebe Grüße
L.
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Alt 25.10.2010, 20:16   #9
Falderwald
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Moin Lipiwig,

deine Formulierung ist auch nicht schlecht, jedoch passt sie hier reimtechnisch nicht ins Konzept.

Dann müsste man die erste Strophe komplett umschreiben.
z.B. :

Ich habe mich gefragt, wer denn
der Lüneburger Heide sei
und suchte diesen Gentleman
vergeblich in der Ketzerei.

Na ja, hat auch was...

Kann ich ja mal als alternative erste Strophe beistellen.

In S3/Z3 tausche ich das "denn" durch "mit" aus. Das klingt wirklich besser.


Das Recht auf freie Glaubensausübung sollte man auch niemandem absprechen.
Es ist nur so, daß wir, in Deutschland z. B., eine eigene Lebenskultur entwickelt haben.
Diese Lebenskultur ist immerhin so gut, daß viele Menschen aus dem Ausland zu uns gekommen sind und immer noch kommen, weil sie eine Hoffnung im Herzen trugen.
Meist ging es dabei wohl um Arbeit und damit wirtschaftliche Gründe, die als Motivation anzusehen sind.
Jetzt stellt sich die Frage, warum diese Hoffnungen am wahrscheinlichsten in dieser, unserer Lebenskultur zu erfüllen waren/sind.
Und zwar genau die Hoffnungen, die in der Heimat, also ihrer eigenen Kultur, nicht erfüllt werden können.
Wenn es hier dann wirtschaftlich besser geht, dann sollte dies auch akzeptiert werden und da liegt es an jedem selbst, wo er ein Teilchen in diesem System des Ganzen wird.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob jemand Anhänger des christlichen oder des muslimischen Glaubens ist.
Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen, sonst funktioniert dieses System nicht mehr.

Die christlichen Kirchen sind politisch allenfalls noch als Institutionen relevant.
Ansonsten haben sie noch das Recht, öffentlich ihre Glocken zu läuten.
Das kann manchmal ganz schön nerven, aber da dies eine jahrhundertlange Tradition ist, kann man das akzeptieren und hinnehmen, das höre ich meist gar nicht mehr.
Fünfmalige Rufe zu den täglichen Gebeten aus der Moschee in der Nachbarschaft würden mich aber schon stören.
Das will ich gar nicht wissen und so geht es den meisten Menschen hier.
Nicht das Gebet in der Moschee oder das Gebäude an sich ist störend, jeder Gläubige soll das an seinem heiligen Ort tun, sondern die sich in den Vordergrund drängende Präsenz eines Glaubens.
Jeder soll seinen Glauben frei ausüben, aber bitte für sich und mit Gleichgesinnten und zwar ohne ständige öffentliche Demonstration desselben.

Etwas mehr gegenseitige Achtung dabei wäre auch wünschenswert.

Zitat:
Zitat von Wikipedia
Ziel des Multikulturalismus ist die multikulturelle Gesellschaft, in der es keinen staatlichen oder auch nichtstaatlichen Anreiz oder „Druck“ zur Assimilation geben soll. Die ethnischen und kulturellen Gruppen sollen hingegen nebeneinander existieren. Dabei beruht dieses Modell auf der Voraussetzung, dass die (Angehörigen der) jeweiligen Ethnien sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen und einander als gleichberechtigt ansehen.

Die in einer multikulturellen Gesellschaft entstehenden Konflikte sollen dabei – nach dem Willen der Befürworter eines solchen Gesellschaftsmodells – durch eine sogenannte „interkulturelle Erziehung“ minimiert werden, ebenso wie durch eine restriktive Anti-Diskriminierungs-Gesetzgebung.
Solange das nicht gegeben ist und in die Hirne der Menschen eingeht, ist und bleibt das eine ferne Utopie.
Selbst für ein gemeinsames Europa ist das noch eine Stufe zu hoch, weil jeder sein eigenes kulturelles Süppchen kocht.
Trotz und gerade weil dieses Europa bislang rein christlich gefärbt ist.
Doch Christ ist ja noch lange nicht Christ.

Erst wenn der Glaube in der Gesellschaft hinter dem Gemeinschaftsbewusstsein zurück tritt, kann Multikulti funktionieren.

Das sollten sich alle schönfärbenden Sozialromantiker einmal hinter die Ohren schreiben.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß auch der Kirchenkritiker Voltaire dem heute zustimmen würde...


Vielen Dank für deine nochmalige Rückmeldung...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald
__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)


Falderwald ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.10.2010, 22:18   #10
Gert-Henrik
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@norbert: spät, doch wenigstens nun eine Antwort:

Woher ich das mit dem riesigen Euroraum weiß? Wissen ist das nicht, es ist eine -mE sehr berechtigte- Annahme. Das wäre aber zu vertiefen.

Sind philosophische Menschen weniger religiös? Ich glaube das nicht. Ich bin übrigens sogar der Überzeugung, dass sich Wissenschaft und Religion wieder annähern. Dies ist mM kein Rückschritt, sondern eine Weiterentwicklung, die auf der beiderseitigen Öffnung der Horizonte beruht. Warum? Selbst wenn wir die "Gottteilchen" fänden, wäre das z.B. noch immer kein zwingender Beweis dafür, dass ein ein allerhöchstes Prinzip nicht gäbe. Wenn ich aber etwas nicht sicher weiß, dann ist dessen absolute Ablehnung das wahre "finstere Mittelalter", da diese lE auf ungerechtfertigter Simplifizierung beruht. Wir haben -mE- Wahrnehmungsschranken, die uns absolute Urteile verbieten.

-------

@Falderwald

...Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen, sonst funktioniert dieses System nicht mehr....

Ja bitte nicht - gerade deswegen funzt es so emotional befriedigend (im Vergleich) - mM. Es gibt rational erfolgreichere Wege, die aber nicht den Menschen in seiner Gänze abbilden (z.B. das zZ in den Himmel wachsende China).

Was das "den Glauben ausleben" angeht: Widerspruch! Wenn hier Menschen leben, die sich mit einem Teil ihres inneren Seins dadurch ausdrücken, dass soundsooft zum Gebet gerufen wird - dann sollen sie das so leben dürfen. Wer sich daran nicht gewöhnen will, ist mE intolerant. Wir sind hier nicht irgendwo. In diesem Hier und Jetzt muss der ganz normale Alltag geregelt werden und für alle gleichermaßen lebbar sein. Ob muslimische Staaten gleich fair handeln ist dabei z.B. _völlig!_ irrelevant.
Empfände ich den Ruf des Muezzins als fremd? Ja...
Na und?
Leben und leben lassen!
Man muss sich davon nicht stören lassen - die Umwelt gehört allen - zu gleichen Teilen.

Das "Gemeinschaftsbewusstsein", von dem Du sprichst, kann daher mM aus Gründen der Fairness nur der kleinstmögliche gemeinsame Nenner sein.

LG von
Lipiwig
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