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Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

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Alt 12.12.2020, 21:00   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Standard Die Welt ist so



Die Welt ist so


"Ich bin dafür und ich dagegen!"
Von vorne, hinten, jeder Seite,
so strömte es dem Ohr entgegen,
der Ton traf stets in voller Breite.
Man hörte, was die Menschen sangen:
"Ich bin in meiner Welt befangen!"

"Ich schau herauf und ich herunter",
Antennen, die Signale funkten,
in Schwarz und Weiß, doch umso bunter
gespiegelt aus den Mittelpunkten,
in Wellen, die wie Lieder klangen:
"In meiner Welt bin ich befangen!"

"Ich bin so laut und ich mehr leiser!"
Es lohnte nie im Kreis zu rennen,
dem Weisen folgte stets ein Weiser,
und da begann ich zu erkennen:
Kaum bin ich einen Schritt gegangen,
schon macht mich meine Welt befangen.


Falderwald
. .. .



__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)


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Alt 12.12.2020, 21:06   #2
Thomas
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Beiträge: 3.326
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Lieber Falderwald,

Ich bewundere Menschen, die in ihrem Leben alles völlig auf den Kopf stellen und völlig neu beginnen. Die gibt es – aber selten. Vielleicht ist dein Gedicht ein Aufruf dazu.

Liebe Grüße
Thomas
__________________
© Ralf Schauerhammer

Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller
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Alt 13.12.2020, 03:38   #3
Lightning
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Moin Falderwald!

Lese deine Zeilen immer sehr gern. Hier hast du schön die Mitte eingependelt.
Witzig finde ich, dass ich genau zu dem Thema vor ein paar Stunden
auch ein paar Zeilen geschrieben hatte.
Allerdings nicht so "schöne". Sind bisher auch nur vor mir zu sehn

Geht bei mir auch darum, dass von allen Seiten Meinungen kommen.. die sich irgendwie nicht finden..
und darum, dass "Diskussion" anscheinend langsam verkümmert, oder gar zum "Streit" wird (innerlich und/oder gesellschaftlich).
Ich persönlich denke, das hängt auch mit der Schnellebigkeit zusammen. Man hat einfach keine Zeit mehr, für "Ausführlichkeiten".
Virtuell unterhält man sich oft nur über Smilies und kurze Antworten.
Man will nach außen hin auch häufig einen Schein bewahren, der keine Schwäche zeigt.
Ein Beispiel wäre wohl: "Wie geht es dir?", "gut" (aber ich sterbe bald).
Spricht man seine Problemchen aus, gelten sie oft auch als Gejammer.

Aufgrund solcher Dinge kennt oder erkennt man die Meinungen des Gegenübers häufig nicht vollständig.
Oft spricht man sogar aneinander vorbei, obwohl das Gleiche gesagt wird.
Gerade auch in der Politik. Häufig evtl. auch eine Frage der unterschiedlichen Auslegung von Worten.
Viele "Klänge" werden einfach auch schlecht geredet.. oder auf ein Podest gehoben, das evtl. gar nicht existiert.

Da man als "Zuhörer" von den ganzen verschiedenen Ansichten,
die meist "gebrüllt", statt konstruktiv diskutiert werden "erschlagen" wird..
entsteht am Ende vielleicht auch eine Art "Gleichgültigkeit", die sicher auch befreiend sein kann.
Sinn macht es wohl gesellschaftlich betrachtet nur, wenn sich alle in der Mitte finden,
und sich nicht jeder einzeln in seiner Mitte befindet.

Dass du "befangen", und nicht "gefangen" gewählt hast, finde ich auch sehr gut,
da es kaum jemandem in einer solchen Welt wirklich zu gefallen scheint.
(Falls es sich so lesen sollte, nein.. ich schere nicht alle über einen Kamm..
aber ich denke, dass hier sehr wohl ein "Problem" in der Gesellschaft liegt.)

Soziale Netzwerke tragen auch noch dazu bei, dass die eigene Meinung so gestärkt wird, dass andere Meinungen sowieso nicht mehr stimmen.
Gibt sogar von Facebookmitgründern und Google etc. mittlerweile diverse Aussagen dazu. Z.B. dass der verwendete Algorhythymus Beschwörungstheorien fördert.
Wenn man sich für eine interessiert, werden immer mehr angezeigt, weil eben das nach oben befördert wird, was laut der Berechnung den Nutzer interessiert.
Also auf Youtube, in Suchmaschinen, Werbung etc.. So gibts dann auch mal ne flache Erde, die der Rest der Menschheit einfach nicht erkennt.
Diverse Ansichten zu unserem "Virus" sind da auch wieder ein gutes Beispiel. Erst finden sich viele "Meinungen".. dann klickt man sich in seine Richtung,
die dann immer mehr gestärkt wird.. und schon habe ich selbst das Virus verbreitet ^^

Da ich mir bereits Gedanken zu diesem Thema gemacht hatte..
kamen jetzt ein paar Worte mehr dazu

Liebe Grüße,
Stefan

Geändert von Lightning (13.12.2020 um 04:03 Uhr)
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Alt 15.12.2020, 18:25   #4
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Beiträge: 9.799
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Moin Thomas,

manchmal bedarf es eines Rucks, eines Engagements, einer Motivation oder einer übertragenen Verantworung, vielleicht mehreres davon, um ein paar Dinge in seinem Leben auf den Kopf zu stellen und etwas Neues zu beginnen.
Ich weiß nicht, ob der Text einen Aufruf darstellen könnte.
Vielleicht folgt er auch nur einer Einsicht?

Die einen sagen so, die anderen so...


Hi Lightning - Stefan,

danke für die Blumen.

Ist ja ein Zufall, dass wir zur gleichen Zeit ein gemeinsames Thema bearbeitet haben.

In meiner Welt ist es so, dass wir alle Rollen spielen. Eine Sicht ist die, wie du dich selbst darin siehst, die zweite beschreibt, wie dich andere darin wahrnehmen und die dritte ist die, wie du wirklich bist.

In Wahrheit ist es doch ganz einfach.
Wenn ich dich mag, dann interessiere ich mich auch für deine Meinung.
Mag ich dich nicht, kannst du mir mit deinen kruden Gedanken gestohlen bleiben.

Letztlich ist es so, wenn z.B. der Ausgang eines Meinungstaustausches oder einer Diskussion über eine Angelegenheit entscheidend ist, und wenn du damit etwas erreichen willst, dann ist auch das vollständige Erkennen einer gegenteiligen Meinung nicht hilfreich, wenn du deine Überzeugung durchsetzen musst.

Und da kommt wieder die Rolle ins Spiel, die du gerade spielst. Dahinter versteckt sich ein Motiv und das kann vielfältiger Natur sein.
Es gibt weniger bedeutsame und es gibt dominierende Beweggründe, die musst du für dich selbst gewichten. Da es die sorgsam abzuwägen gilt, wäre Gleichgültigkeit tödlich.

Und deshalb ist "befangen" die richtige Wahl, denn jeder ist auf seine Weise befangen und muss die Dinge gegeneinander abwägen, um seinen weiteren Lebenslauf zu gestalten.

Egal wie, egal wo, egal wann...

Und da sich das biologische Leben nicht in sozialen Netzwerken abspielt, wird die reale Welt immer ihren Tribut fordern, sie lässt dich Rollen spielen. Darüberhionaus macht es jeder dort, wo er meint, es machen zu müssen.

Ich mach mir nichts draus.

C'est la vie...



Vielen Dank für eure Rückmeldungen und Gedanken zum Thema...

Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald


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