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Ausflug in die Natur Natur- und Tiergedichte

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Alt 28.09.2009, 16:03   #1
Leier
gesperrte Senorissima
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Pfalz
Beiträge: 4.134
Standard Lied

Nun geht die tiefe Flöte,
die Herbst aus Zweigen sich geschnitzt,
in die er andre Töne sich geritzt -
ganz ohne Sommers Nöte.

Birken, auf ganz andre Weise,
lassen jetzt die Blätter sinken,
ohne hell mit Neu zu winken,
locken bunt zu letzter Reise

wie die letzen Sommerfächer,
die mir Mauern, die mir Bäume,
die mir Heimatortes Dächer
wiederbringen, wenn ich träume.

Es geht eine tiefe, dunkle Flöte:
Der Herbst ist über dem Land.
Birgt mir die späterkannte Röte.
Daß ich sie wirklich fand!




(28.09.2009)


von Erich Kykal bearbeitete Fassung:




Nun geht die tiefgestimmte Flöte,
die Herbst aus Zweigen sich gemacht,
in die er kühle Töne sacht
hineinlegt wie aus dunkler Röte.

Birken rauschen nach der Weise,
lassen ihre die Blätter sinken,
um mit bloßem Zweig zu winken,
locken bunt zu später Reise

wie die letzten Sommerfächer,
die mir Mauern, die mir Bäume,
die mir Heimatortes Dächer
wiederbringen, wenn ich träume.

So geht die tiefe, dunkle Flöte:
Der Herbst spielt auf dem welken Land,
treibt mir die späterkannte Röte
ins Herz, wo ich sie wiederfand!

Geändert von Leier (20.10.2009 um 18:58 Uhr)
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Alt 28.09.2009, 18:31   #2
Archimedes
der mit dem Reim tanzt
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: SpreeAthen
Beiträge: 565
Standard

Liebe cyparis,
"Es geht eine helle Flöte, der Frühling ist über dem Land.
1. Birken horchen auf die Weise, Birken und die tanzen leise.
2. Warten da drei rote Buchen, wollen auch den Tanz versuchen.
3. Und der Bach, der hört das Singen, wild und polternd muß er springen.
4. Tausend Halme zitternd stehen, hören sie die Flöte gehen."
gedichtet und vertont von Hans Baumann.

Das Thema hast du herbstlich neu und schön umgesetzt, leider aber den Rhythmus des Liedes nicht übernommen, kann man aber so machen.

Nun geht die tiefe Flöte,
die Herbst aus Zweigen sich geschnitzt, ( "vom Herbst ..." , da in der nächsten Zeile schon wieder "die" vorkommt)
in die er andre Töne sich geritzt - ("in die er andre Töne eingeritzt")
so ohne Sommers Nöte. ("ganz ohne Sommers Nöte")

Birken, auf ganz andre Weise,
lassen jetzt die Blätter sinken,
ohne mit dem hellen Neu zu winken, (Hier wechselst du von vier auf fünf Hebungen, das musiziert nicht: "ohne hell mit Neu zu winken")
locken hin zu letzter, bunter Reise ("locken bunt zu letzter Reise")

wie die letzen Sommerfächer,
die mir Mauern, die mir Bäume,
die mir Heimatortes Dächer
wiederbringen, wenn ich träume.

Es geht eine tiefe, dunkle Flöte:
Der Herbst ist über dem Land.
Birgt mir späterkannte Röte. ("Birgt mir die späterkannte Röte")
Daß ich sie fand! (Wer hat veranlasst, dass du die Röte fandest?)

Idee gut umgesetzt und lieben Gruß
Archimedes ...der mit den Kreisen
__________________
gestörte Kreise
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Alt 28.09.2009, 19:47   #3
Galapapa
Galapapa
 
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Hallo Cyparis,
Dein Herbstgedicht gefällt mir sehr. Du hast es in herrlich herbstlichen Farben und Bildern gemalt. Mit gefällt auch der romantische Unterton dabei sehr.
Der wechselnde Rhythmus, die unterschiedlichen Verslängen stören mich dabei nicht, wenngleich Du durch kleine Umstellungen, z.B. in der ersten Strophe, noch etwas mehr Melodie einbringen könntest:

Nun geht die tiefe Flöte
die Herbst aus Zweigen sich geschnitzt,
in die er sich andere Töne geritzt -
so ohne Sommers Nöte.

Für mich ist das Gedicht aber auch so, wie es dasteht, gefällig und rund zu lesen.
Sehr gern habe ich das gelesen und die Bilder auf mich wirken lassen.
In der Hektik des Alltags habe ich im Moment gar keinen Blick mehr für die Herbstfarben...
Mit einem herzlichen Gruß!
galapapa
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Alt 09.10.2009, 14:13   #4
Leier
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Lieber hilfsbereiter Archimedes!

Laß Dir Dank sagen.
Ich habe fast alle Deine Anregungen übernommen. Ich hab oft so wenig Distanz zu meinen Gedichten, da freu ich mich immer, wenn geschulte Augen mich auf Ungeschicklichkeiten aufmerksam machen (ach Gottchen, was n Satz!).

Lieber Galapapa,

ich freue mich sehr über Dein Lob.
Ob ich die erste Strophe, wie von dir angeregt, ändere, weiß ich noch nicht so recht.
In meinen Ohren stimmt sie so, wie sie dasteht.

Euch liebe herbstverliebte Grüße
von
cyparis
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Alt 20.10.2009, 17:21   #5
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
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Zitat:
Zitat von cyparis Beitrag anzeigen
Nun geht die tiefgestimmte Flöte, Metrum
die Herbst aus Zweigen sich gemacht,
in die er kühle Töne sacht
hineinlegt wie aus dunkler Röte. Stimmungsvoller

Birken rauschen nach der Weise,
lassen ihre die Blätter sinken,
um mit bloßem Zweig zu winken, Eleganter
locken bunt zu später Reise Wortwiederholung mit nächster Z.

wie die letzten Sommerfächer,
die mir Mauern, die mir Bäume,
die mir Heimatortes Dächer
wiederbringen, wenn ich träume. Diese Str. könnte ICH nicht besser machen!

So geht die tiefe, dunkle Flöte:
Der Herbst spielt auf dem welken Land,
treibt mir die späterkannte Röte
ins Herz, wo ich sie wiederfand!




(28.09.2009)
Hi Cypi!

Ein grundsätzlich schönes und stimmiges Gedicht, das leider den Eindruck macht, du hättest dir nicht wirklich viel Zeit genommen, um an allen nötigen Ecken zu feilen. Vielleicht setz ich mich damit ja in die Nesseln, aber in punkto Sprachmelodie und satzbautechnischer Eleganz hast du vielleicht nicht überall dein Bestes gegeben.
Dass du's draufhast, merkt man sehr wohl an der 3. Strophe: Die ist ein wahrer Hammer in all den erwähnten Punkten! Wundervoll ausformuliert, stimmig und melodisch in sich ruhend, sehr elegant und gelungen!

Ich habe mir wieder mal erlaubt, meine Vorschläge gleich ins Zitat einzubauen. Nimm, was du gebrauchen willst. Grade der 3. Str. wegen sehr gern gelesen!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.10.2009, 18:56   #6
Leier
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Lieber Erich Kykal,

was Du aus meinem Gedicht gezaubert hast, ist weitaus schöner als mein Original.
Ich darf, Dein Einverstädnis vorausgesetzt, Deine als zweite und verbesserte Fassung hinzufügen.
Das Original, da wirklich ein sehr rasches Erfassen einer Impression, möchte ich dennoch an der Seite Deiner Kunst stehen lassen.

Hab Dank!

von
cyparis
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Alt 20.10.2009, 20:23   #7
Chavali
ADäquat
 
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Liebe cypi,

mag auch die Fassung von eky schöner sein - mir gefällt deine!
Sie ist cypi-like und ganz du.
Es muss nicht immer perfekt sein, besonders, was das Versmaß betrifft
Damit will ich nicht sagen, dass mir die zweite Version missfällt - oh nein.
Aber du bist du und in ekys Variante ist eky.

Dies wollte dir sagen
mit lieben Grüßen,
Chavali
__________________
.
© auf alle meine Texte
Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz

*
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Alt 20.10.2009, 22:17   #8
Leier
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Liebe Chavali,

das ist eben d a s, genau d a s, was ich auch empfand.
Ich dichte keine hohe Kunst (wie eky werd ich nie dichten können!), ich schreibe meine Impressionen ohne Feile, ohne "Maß und Ziel" - nur nach Empfindung (sofern es nix Lustiges ist).
Deswegen tut mir Deine Anerkennung sehr gut!
Zumal ich dichterisch gerade sehr armselig dran bin.
Hab Dank

von
cyparis!
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Alt 21.10.2009, 23:00   #9
Dana
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Liebe Cypi,
laß dein Original um meinetwillen. Ich hatte sofort das Frühlingsflötenlied im Ohr und sang dein Gedicht aus leibeskräften nach dieser Melodie.
Ich singe so gerne und alle sagen, ich sänge entsetzlich falsch.
Auf jeden Fall, habe ich es mir entsprechend hingebogen und fand die Stellen, die ich nicht hinbekam, herbstlich melancholisch. Das wieder ließ mich die Autorin bewundern, weil ich ihr diese Absicht unterstellte.
Weil du dich so auf Birken eingestimmt hast, würde auch:
"Birkt mir die späterkannte Röte" sehr gut passen.

Ganz mein Lied.

Liebe Grüße
Dana
__________________
Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 22.10.2009, 14:08   #10
ruhelos
Flaschenpost
 
Registriert seit: 24.03.2009
Beiträge: 574
Standard

hallo cyparis,

dein leicht melanchonisch angehauchtes Herbstgedicht findet mein Gefallen. Wenn ich ganz ehrlich bin, gefällt mir die Variante von Eky. noch besser. So liest es sich m. E. noch flüssiger. Gern gelesen.

Viele Grüße
ruhelos
__________________
Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. (Mark Twain)
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