Gedichte-Eiland  

Zurück   Gedichte-Eiland > Gedichte > Finstere Nacht

Finstere Nacht Trauer und Düsteres

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 18.12.2016, 17:53   #1
Kokochanel
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

das ist ein sehr schönes Werk, Erich von einem, der fremd blieb, den anderen und sich selbst.
Ein "sich selbst Vereitelnder" was für ein Ausdruck!
Ja, manchmal steht man sich selbst im Wege, nicht so extrem vieleicht wie dieser Mensch, aber dennoch.
Gepresster Schnee... ein starkes Bild .
Die offenen Mienen der anderen deuten darauf hin, dass nur der Prot Schuld ist an dem, was er erfuhr. Ich hingegen denke, dass es immer ein Zusammenspiel gibt im sozialen Umfeld, Anlässe, Begebenheiten, dass sich ein Mensch derart verschließt. Nie ist nur einer schuld...
Ein berührendes Werk, dessen Traurigkeit ich gerne nachgegangen bin.

LG von Koko
  Mit Zitat antworten
Alt 18.12.2016, 21:04   #2
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
Standard

Hi Koko!

Natürlich ist kaum je nur einer "schuld", aber es sind immer wieder andere, an denen der Protagonist scheitert, ob aus eigenem Defizit oder nicht. Letztlich sind eben nicht alle gemeinschaftstauglich - ich spreche aus Erfahrung!

Vielen Dank für die freundlichen Worte zur Ausführung!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2016, 05:57   #3
Angelika
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 07.11.2016
Ort: Berlin-Lichtenberg
Beiträge: 180
Standard

Lieber Erich, du beschreibst einen, der für sich selbst ein lohnendes Ziel erkannt hat, aber nicht die Kraft findet, seine Umgebung mitzureißen und ihre meist destruktive Sicht zu ändern. Ich glaube, das ist das Schicksal der meisten Menschen, die erkannt haben, dass in jedem Menschen ein kleiner oder großer Faschist steckt, und dass es vor allem einer Änderung der Verhältnisse bedarf, um die auch im Faschisten vorhandenen menschlichen Ansätze freilegen zu können. Das allerdings bringst du so nicht zum Ausdruck, du bleibst im Einzelgängertum des frustrierten Menschen stecken, und insofern ist das Gedicht für mich eine leider halbe Sache, nicht tiefgründig genug. Aber jeder kann nur das schreiben, was er selbst erkannt hat, das ist die Crux des gutmeinendsten Autors. Dass unter diesen Umständen jemand als nicht "gemeinschaftsfähig" abgekanzelt wird, zeigt im Grunde, dass der Sprecher selbst keine klare Sicht auf die Dinge hat. Es kommt doch immer auf den Charakter der Gemeinschaft an, Gemeinschaft ist eben nicht gleich Gemeinschaft. Insofern spricht dein Gedicht zwar ein echtes Problem an, ist sich aber selbst nicht im klaren darüber, was den Einzelgänger überhaupt erzeugt. Oftmals ist es ja auch so, dass gerade der Einzelgänger der einzige ist, der eine klare Sicht hat, wenn du an den Herdentrieb des Menschen denkst. Aber das sind wirklich schon tiefenpsychologische Probleme, die man in einem Gedicht wohl kaum abhandeln kann.

Angelika
Angelika ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.12.2016, 17:34   #4
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
Standard

Hi Angelika!

Vielleicht hilft es dir zu wissen, dass das Werk autobiographisch inspiriert ist - und als "halbe Sache" habe ich mich eigentlich nie empfunden, auch wenn es auf Grund meiner sozialen Defizite durchaus so gesehen werden kann!
Bei der "Abkanzelung" als nicht gesellschaftsfähig geht es also primär um mich selbst - und ich werde wohl wissen, ob das die eigene Person betreffend tiefgründig genug ist!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.12.2016, 20:05   #5
juli
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo eKy,

Du hast Authentizität in deinem Gedicht. Gerade das macht es so lesenswert und wertvoll.
Besonders bedrückend finde ich die Metapher:

welche Träume schliefen
in diesem Herzen aus gepresstem Schnee.


Alleine deswegen schon ist es bewegend.

Ich bekenne mich gerne zu

Sehr gerne gelesen, gerade weil es so lebendig ist! Auch in dieser Rubrik.

Liebe Grüße sy

  Mit Zitat antworten
Alt 28.12.2016, 00:50   #6
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
Standard

Hi Sy!

Vielen Dank für deine motivierenden Zeilen der Begeisterung!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.01.2017, 18:37   #7
Dana
Slawische Seele
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 5.637
Standard

Lieber eKy,

jener Fremde vermittelt eine gewisse Vertrautheit, wenn man Dein Gedicht ohne Wertung und "Schuldzuweisung" liest.
Es lässt ins Innere schauen und mit entsprechender Bereitschaft erkennt man Ähnlichkeiten in sich selbst.
Im lyrischen Klang liegt eine "traurige Melodie", die hauptsächlich slawischen Seelen vertraut ist.
Man hält inne.

Liebe Grüße
Dana
Dana ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.01.2017, 19:51   #8
Erich Kykal
TENEBRAE
 
Benutzerbild von Erich Kykal
 
Registriert seit: 18.02.2009
Ort: Österreich
Beiträge: 8.570
Standard

Hi Dana!

Ich schrieb dies in einem wehleidigen Moment mehr oder weniger auf mich selbst gemünzt und hielt es allgemein, um eben nicht allzu wehleidig rüberzukommen!
Aber du hast recht - was wird schon bleiben von uns allen? Ein paar Generationen später spätestens sind wir vergessen - ein paar alte verblichene Fotos vielleicht, die man hervorholt und herumreicht, ohne noch zu wissen, wer der oder die darauf eigentlich war: Das war doch die Mitzi-Tant .. neein, nicht doch, Cousine Gerda - oder doch die Urgroßmutter meines Mannes? - Na, jedenfalls jemand von der Familie ...

Selbst die großen Namen einer Generation - 100 Jahre später vegessen, nur noch Archivaren und Nerds geläufig. Selbst die "ewigen" Namen, die in die Kulturgeschichte eines Volkes eingingen - Jahrhunderte später nur noch von Schülern unwillig zitierte Hülsen für Klischees und Wuschvorstellungen der jeweiligen Zeit, bis auch sie verblassen ...

Und das Weitergeben deiner Gene? Was davon hat sich 50 Generationen später noch nicht herausgemittelt? - Nein, von uns bleibt auf lange Sicht nichts übrig, das Universum hat uns nicht einmal bemerkt!

Und genau darum ist es so müßig, nach Ruhm und Bekanntheit zu streben oder sich mit dem Anspruch auf Ewigkeit fortzupflanzen! Wie kurz greift doch der menschliche Verstand, dass er sich immer noch in diesen selbstgefälligen Fallen fängt!? Aber zur Kompensation diverser Komplexe mag es hilfreich sein ...

Vielen Dank für deine Gedanken!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
Erich Kykal ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Fremde Augen Chavali Denkerklause 5 01.10.2015 18:06
fremde sterne Chavali Finstere Nacht 10 05.02.2012 13:56
Wir kamen als Fremde Panzerknacker Ein neuer Morgen 10 10.03.2009 09:11


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 16:02 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, Jelsoft Enterprises Ltd.

http://www.gedichte-eiland.de

Falderwald