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#1 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.129
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Inventur der Stunden Wir jagen Sekunden, als wären sie Münzen. Dabei steckt die Zeit uns in ihre Taschen. Sie ist eine Diebin: Sie nimmt den Morgen, den Schritt, die Gesichter, den Atem. Und sie ist eine Architektin: Aus Zorn baut sie Häuser, schleift Erinnerung zu Kieseln in der Hand. Sie gibt Freiheit, auf Ruinen zu stehen und den Vögeln zuzusehen. Man muss sie nicht besiegen. Man muss nur aufhören, ihr das Werkzeug zu entreißen. Falderwald . .. .
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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald) Für alle meine Texte gilt: © Falderwald --> --> --> --> --> Wichtig: Tipps zur Software |
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#2 |
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Beleuchtete
Registriert seit: 15.08.2026
Ort: Norddeutschland in der Natur
Beiträge: 32
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Lieber Falderwald,
dein Gedicht hat eine stille Kraft, die sich nicht aufdrängt. Was mir daran gefällt, ist die Art, wie du die Zeit nicht als abstrakte Größe behandelst, sondern als etwas, das handelt. Die Diebin, die nimmt. Die Architektin, die baut. Das wirkt klar und unaufgeregt, fast wie eine Beobachtung, die man erst versteht, wenn man sie eine Weile stehen lässt. Die Bilder sind sehr sauber gesetzt. Der Morgen, der Schritt, die Gesichter — das sind keine dramatischen Verluste, sondern die kleinen Dinge, die man erst merkt, wenn sie fehlen. Die Kiesel in der Hand haben etwas Beruhigendes, ohne weich zu werden. Besonders schön finde ich die Freiheit, die du im Text nicht laut machst. Auf Ruinen stehen und den Vögeln zusehen — das ist ein stiller Gedanke, der nicht erklären muss, warum er trägt. Er tut es einfach. Der Schluss ist stark, gerade weil er so schlicht ist. Man muss die Zeit nicht besiegen. Man muss nur aufhören, ihr das Werkzeug zu entreißen. Das ist eine Zeile, die nicht belehrt, sondern einfach bleibt. Ein ruhiger, klarer Text. LG ![]() Lotusblüte |
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#3 |
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Max Vödisch
Registriert seit: 26.03.2013
Ort: Osterzell
Beiträge: 103
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Hallo Falderwald,
ein starkes, wunderbar ausbalanciertes Gedicht. Die Doppelrolle der Zeit – erst die leise, unerbittliche Diebin, die uns das Flüchtige nimmt, und dann die Architektin, die aus Ruinen und verbliebenen Erinnerungen etwas Neues baut – fasziniert mich sehr. Besonders die Wendung zum Schluss hat eine tiefe, fast befreiende Wirkung: Zeit lässt sich nicht bezwingen, aber wir können aufhören, uns an ihr aufzureiben. Besonders die Bilder bleiben hängen: Das Kieselmuster in der Hand und dieses Bild der Vögel über den Ruinen. Es bringt eine ruhige Gelassenheit mit sich, die sehr lange nachhallt. Vielen Dank fürs Teilen dieses nachdenklichen Werks! Liebe Grüße Max |
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#4 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.129
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Liebe Lotusblüte,
danke für deinen Kommentar. Du liest das Gedicht über die handelnde Zeit, nicht über die abstrakte — und das ist tatsächlich der Ansatz. Die Diebin und die Architektin sind keine großen Metaphern, sondern zwei einfache Bewegungen: nehmen und formen. Dass du das als unaufgeregt und klar wahrnimmst, entspricht genau der Haltung, die ich darin haben wollte. Die kleinen Verluste — Morgen, Schritt, Gesichter — sollten nie dramatisch wirken. Es sind die Dinge, die man erst merkt, wenn sie fehlen. Dass du die Kiesel als beruhigend, aber nicht weich liest, freut mich; sie sind bewusst konkret gehalten, damit die Erinnerung nicht ins Nebelige kippt. Auch deine Beobachtung zur Freiheit trifft den Kern. Sie sollte leise bleiben. Kein Triumph, kein Pathos. Nur der Gedanke, dass man auf Ruinen stehen kann, ohne sich erklären zu müssen. Die Vögel sind kein Symbol, sondern ein kurzer Moment von Abstand. Der Schluss ist bewusst schlicht. Keine Belehrung, nur eine Feststellung: Man besiegt die Zeit nicht. Man hört nur auf, ihr die Werkzeuge zu entreißen. Dass du das als bleibend empfindest, passt gut. ![]() Hallo Max, danke für deinen Kommentar. Du gehst direkt an die Doppelrolle der Zeit, und das ist tatsächlich der Kern: erst die Diebin, die nimmt, dann die Architektin, die aus dem, was bleibt, etwas Neues baut. Nicht als Trost, sondern als Mechanik. Dass du die Wendung am Schluss als befreiend empfindest, freut mich — sie sollte nicht laut sein, sondern klar. Die Bilder, die du hervorhebst, sind bewusst schlicht gehalten. Der Kiesel in der Hand, die Vögel über den Ruinen — das sind keine großen Symbole, sondern kleine Punkte von Gelassenheit, die bleiben, wenn man den Rest weglässt. Dass sie nachhallen, zeigt, dass die Reduktion funktioniert. Der Gedanke, dass man die Zeit nicht bezwingen kann, sondern nur aufhört, sich an ihr aufzureiben, ist die eigentliche Pointe. Kein Kampf, keine Niederlage — nur ein anderer Umgang. Liebe Grüße an euch beide ![]() Falderwald
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