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#1 |
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Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 14.08.2026
Beiträge: 24
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Das Loch
Jetzt ist er wieder da, der schwarze, tiefe Schlund. Ich hab mich so bemüht nicht rein zu fallen. Ich hab mich abgelenkt, versuchte neue Wege, die mich nur wieder vor den gleichen Abgrund brachten. Der Schmerz ist wie erwartet, ich kenn ihn viel zu gut. Es fühlt sich immer noch so an ,als wär ich amputiert, ein halbes Herz, ein halbes Hirn, ein halber Mensch, wie soll das nachwachsen und wann ? Die Kluft, vor der ich stehe, flüstert, lass dich fallen, am besten spring mit Anlauf in mich rein, dann ist der Absturz schnell, du weißt doch schon, wie anstrengend der lange Aufstieg wird. Im Fallen rauschen all die gut verdrängten Bilder, an mir vorbei und reißen alles wieder auf, ein hundsgemeiner, miserabler Film, den ich nicht stoppen oder ändern kann. Am Ende dieses Streifens steht stets das gleiche Bild. Du bist gegangen und ich hatte keine Chance, etwas am Ausgang zu verbessern, zu verhindern, all meine Liebe konnte dich nicht retten. Das Schlimmste und das Beste ist das Aufstehen. Ich hab gelernt, wer im Loch sitzen bleibt, ist tot. Probate Steigeisen sind Freunde, Schreiben und Musik, aber vor allen Dingen, die Neugier, ob da noch was kommt. Wer ständig aus dem Krater kraxelt, entwickelt Muskeln. Und auch die Lust am Neuen kann beflügeln, Irgendwann werde ich die Schlucht von weitem sehen, mich kraftvoll abstoßen und lächelnd drüber segeln. |
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#2 |
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Lim-Fee
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 190
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Liebe Floris,
dein Text hat mich sehr bewegt. Du beschreibst dieses Loch so eindringlich, dass man beim Lesen fast selbst an der Kante steht und spürt, wie vertraut dir dieser Abgrund ist. Besonders stark finde ich, wie du den Schmerz nicht dramatisierst, sondern einfach zeigst, wie er ist — roh, altbekannt, unerbittlich. Die Bilder vom Fallen und den aufreißenden Erinnerungen sind hart, aber ehrlich. Und gerade deshalb wirkt es so kraftvoll, wenn du später vom Aufstehen sprichst. Dieser Satz über die Steigeisen — Freunde, Schreiben, Musik — der hat etwas unglaublich Wahres. Man merkt, dass du das nicht theoretisch sagst, sondern aus Erfahrung. Sehr schön ist auch, wie du am Ende die Perspektive drehst: Dass jemand, der immer wieder aus dem Krater klettert, Muskeln entwickelt. Das ist ein Bild, das bleibt. Und der Schluss, dieses kraftvolle Abstoßen und drüber Segeln — das hat eine stille Zuversicht, die ich dir von Herzen wünsche. Ein intensiver, ehrlicher Text. Ich habe ihn sehr gern gelesen. Herzliche Grüße Xenia
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#3 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.074
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Hallo liebe Floris,
dein Text beschreibt einen vertrauten Schmerz mit großer Direktheit. Die Bilder sind eindeutig, nicht metaphorisch verschleiert, sondern klar benannt: der Schlund, der Absturz, die amputierten Teile des Selbst. Das gibt dem Gedicht eine gewisse Unmittelbarkeit, die ohne Umwege funktioniert. Was auffällt: Du arbeitest stark mit Wiederholung und Rückkehr. Der Abgrund kommt wieder, die Wege führen wieder dorthin, die Bilder rauschen wieder vorbei. Diese Kreisbewegung ist konsequent, aber sie lässt den Text über weite Strecken in derselben emotionalen Lage verharren. Das ist stimmig, aber es nimmt ihm etwas von der möglichen Dynamik. Die stärkste Passage ist die Wendung im letzten Drittel, wenn du vom Aufstehen sprichst. Dort entsteht erstmals eine klare Bewegung: weg vom passiven Erleiden, hin zu einer aktiven Entscheidung. Die „Steigeisen“ — Freunde, Schreiben, Musik — sind ein präzises Bild, weil sie nicht heroisch wirken, sondern praktisch. Das trägt. Der Schluss mit dem Abstoßen und Segeln ist bewusst gesetzt, fast programmatisch. Er funktioniert, weil du ihn nicht überhöhst, sondern als logische Konsequenz der vorherigen Zeilen formulierst. Er ist weniger ein Triumph als eine nüchterne Perspektive: ein möglicher Zustand, kein garantierter. Insgesamt ein Text, der durch seine Klarheit wirkt, nicht durch Überraschung. Er benennt, was er meint, und bleibt dabei konsequent. Liebe Grüße ![]() Falderwald
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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald) Für alle meine Texte gilt: © Falderwald --> --> --> --> --> Wichtig: Tipps zur Software |
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#4 |
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Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 14.08.2026
Beiträge: 24
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Liebe Xenia,
danke, dass du dich so einfühlst! Ich bin echt überrascht, dass das was ich ausdrücken wollte, auch so bei dir angekommen ist. Natürlich ist das auch ein Ziel, aber wenn es gelingt, dann bin ich immer noch sehr erstaunt. Der Wunsch über die Abgründe zu segeln hat sich noch nicht ganz erfüllt. Aber ich habe schon länger begonnen, sie zu früher zu sehen und manch großer Ozean hat sich beim Näherkommen in eine kleinere Pfütze verwandelt. Man wächst und das ist sehr gut so. Liebe Grüße Floris --------------------- Lieber Falderwald, danke dir für die wirklich wunderbare Analyse. Du hast absolut Recht, der Text beschäftigt sich mit diesem "immer wieder" und als ich das damals geschrieben habe, war ich in dieser Stasis nahezu gefangen. Aber dass man das aus dem wie ich schreibe herleiten kann, das macht mich ziemlich sprachlos. (und das will was heißen:-)) Ich werde beim Schreiben zukünftig darauf achten, wie der "flow" (sagt man so ?) in meinen Gedichten ist. Ich tendiere glaube ich dazu, erst in den letzten beiden Versen den "Umkehrschwung" zu machen. Das geht bestimmt anders und besser. Viele Grüße Floris |
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