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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 03.03.2026, 20:19   #1
Lailany
Kiwifrüchtchen
 
Benutzerbild von Lailany
 
Registriert seit: 23.05.2009
Ort: nördlich von Auckland/Neuseeland
Beiträge: 948
Standard Offene Wunden

Wenn dunkle Gedanken sich träge versammeln,
die Nacht sie mit fahlgrauen Fäden umflicht,
erwachen Dämonen in ihren Verstecken
und zerren die Angst in das schwindende Licht.

Sie krallen sich tiefer in schwärende Narben
und drehen die Zeiger der Uhren zurück,
sie trinken das Blut aus den offenen Wunden,
entwurzeln die Keime der Hoffnung auf Glück.

Ein Zeichen, ein Wort von dir würde genügen,
ich spür deine Nähe - du antwortest nicht.
Der einzige Weg zu dir führt in den Abgrund,
bevor mich die Schuld meiner Fehler zerbricht.

Das Gestern entfernt sich mit eiligen Schritten,
ein Traum baumelt leblos am Galgen der Zeit,
das Morgen verhüllt sich in blickdichten Tüchern;
was bleibt, ist die Wahrheit der Endgültigkeit.
__________________
.................................................. ...........................................
"Manchmal ist es so demütigend, ein Mensch sein zu müssen..." Erich Kykal
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Alt Heute, 00:41   #2
Falderwald
Lyrische Emotion
 
Benutzerbild von Falderwald
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.016
Standard

Kia ora Lailany,

dein Gedicht trifft sofort ins Mark. Es öffnet eine klaustrophobische Nacht, in der Bilder und Gefühle so dicht stehen, dass man kaum atmen kann. Die Sprache ist präzise, die Bilder sind körperlich — man spürt Kälte, Schmerz und die Schwere der Zeit.

Die zentralen Motive funktionieren sehr klar: offene Wunden als Metapher für seelische Verletzung, die Dämonen als personifizierte innere Feinde und die Zeitbilder (Zeiger zurückdrehen, Galgen der Zeit) als Ausdruck von Schuld und Unabänderlichkeit. Diese Bilder greifen ineinander und erzeugen eine Atmosphäre, die nicht nur beschreibt, sondern unmittelbar erfahrbar macht. Besonders stark ist die Zeile „Der einzige Weg zu dir führt in den Abgrund“ — sie bündelt Sehnsucht, Selbstvorwurf und die existentielle Verknüpfung von Nähe und Zerstörung.

Klang und Rhythmus tragen die Wirkung: harte, konkrete Wörter („Blut", „Narben", „Galgen") wechseln mit längeren, atemlosen Bildern; das erzeugt Spannung und lässt den Leser körperlich miterleben, wie die Gedanken sich zuspitzen. Die Wiederholungen und die bildhafte Verdichtung geben dem Text Kohärenz, ohne ihn zu übererklären. Die Stimme bleibt dabei nah, nicht theatralisch — eher nüchtern, fast klinisch, was die Verzweiflung umso eindringlicher macht.

Wenn du etwas verändern wolltest, wären nur minimale Eingriffe denkbar: punktuelle Kürzungen, um die Brüche noch schärfer zu machen, oder ein einzelner persönlicher Bezug am Ende, der die angesprochene Person noch direkter einbindet. Aber das ist Geschmackssache — die jetzige Distanz hat viel Kraft.

Es ist so schön, nach so langer Zeit wieder von dir zu lesen. Wie geht es dir Down Under? Ich habe mich über dein Lebenszeichen gefreut.

Liebe Grüße

Falderwald


__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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