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Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

 
 
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Alt 14.03.2014, 18:59   #2
Falderwald
Lyrische Emotion
 
Benutzerbild von Falderwald
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.015
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Servus Erich,

das ist ein ausgesprochen schönes Sonett, das mir gut gefällt.

Der Protagonist kann einem aber auch leid tun, hat er doch eigentlich sein Leben schon beschlossen.
Abseits aller Begehrlichkeiten scheint er sich seinem Grimm und Spott über Gott und die Welt hingegeben zu haben und bereit, selbst dem Glück, hier in Form der holden Fee, eine Abfuhr zu erteilen, falls es sich ereigne.
Es scheint ein hartes Resümee zu sein, ein schonungsloses Urteil über seine Welt, die er sich in seinen Jugendträumen wohl anders ausgemalt hatte.
Die Realitäten zeigen ihm nun ein anderes Gesicht.

Man könnte meinen, der alte Schopenhauer spräche aus diesen Zeilen, denn sein Bild stand mir vor Augen.
Es könnten seine Worte und seine Erkenntnisse, also die Welt als Wille und Vorstellung, sein.
Auch er war geneigt, Spott und bitteren Zynismus zu verwenden und er hat sogar ein paar Sonette geschrieben.
(Aber, das muss ich hier auch sagen, Schopenhauers Sonette waren sprachlich weniger elegant und gediegen, als das deinige. )

Im Prinzip aber ist der Protagonist, der alte Zausel, eigentlich schon für scheintot zu erklären, denn eine Lebensfreude spricht nicht mehr aus den Zeilen.
Er sieht sich selbst als Ungeliebten und gefallen wie die Götter.

Ich würde sagen, das nennt man Jammern auf sehr hohem lyrischen und sprachlichen Niveau.
Man könnte vielleicht auch sagen, es handele sich eher um eine Abrechnung.
Doch letztlich kann eine solche nur gegen das eigene Schicksal, also gegen sich selbst als Summe aller seiner Erfahrungen, erfolgen.

Seinen Frieden hat er aber noch nicht gefunden...


Gerne gelesen und kommentiert...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald
__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)



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