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#1 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 362
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Kneipenleben
Wenn draußen Neonlichter flimmern, und Regen auf den Asphalt fällt, beginnt in dunklen Kneipenzimmern ein kleines Stückchen Gegenwelt. Die Türen gehen, Stimmen lachen, ein Glas wird auf den Tisch gestellt, hier kann man Sorgen kleiner machen, hier zählt für Stunden nicht die Welt. Der Wirt kennt jeden seiner Gäste, kennt ihre Namen, kennt ihr Leid, den Einsamen und auch die Reste vergangner Liebe, längst verstreut. Am Fenster sitzt ein alter Trinker, und schaut hinaus ins Lichtermeer, sein Bier wird langsam immer schaler, sein Blick jedoch ist dunkel, leer. Daneben sitzen zwei Studenten, die laut von großen Dingen reden, sie wollen morgen Präsidenten – heut fehlt sogar das Geld zum Leben. Am Tresen flirtet eine Schöne mit einem Mann im feinen Kleid, sie lacht über seine Töne, doch bleibt noch, sie hat ja aus Zeit. Ein Taxifahrer erzählt Geschichten, ein Schauspieler spielt seine große Rolle, zwei Rentner wollen gar nichts richten, sie trinken noch gern eine Molle. Dann kommt ein Fremder durch die Türe, vom Regen nass, vom Leben müd. Der Wirt fragt nur: „Was darf's denn sein?“ Der Fremde lächelt: „Irgendwas, das zieht.“ Und plötzlich wird die Nacht lebendig, ein Lied erklingt aus alter Zeit. Man singt nicht schön – doch ungezwungen, und irgendwer vergisst sein Leid. Hier wird gelogen, hier wird geliebt, hier wird gestritten und versöhnt. Hier gibt es manchen, der zu viel gibt, und manchen, der sich selbst verhöhnt. Hier trifft der Millionär den Boten, der Professor sitzt beim Hafenmann, der eine hat die Welt verboten, der andre fängt von vorne an. Und wenn die letzte Runde naht, wird es auf einmal still im Raum. Manch einer geht auf geradem Pfad, manch einer schwankt noch wie im Traum. Der Wirt löscht langsam die Laternen, die Stühle rücken an die Wand. Draußen blinkr der Morgenstern über dem längst schlafenden Land. Nur einer bleibt noch an der Theke und starrt gedankenlos ins Glas. Der Wirt fragt: „Freund, soll ich dich wecken?“ Er sagt: „Nein – ich such nur noch nach dem, was war.“ Dann geht auch er hinaus ins Morgenlicht, die Großstadt schluckt ihn irgendwann. Die Kneipe schweigt – doch lange nicht weil schon ein neuer Tag anbricht. Geändert von Taxi5013 (Gestern um 09:22 Uhr) |
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#2 |
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Max Vödisch
Registriert seit: 26.03.2013
Ort: Osterzell
Beiträge: 133
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Hallo Taxi 5013,
mit „Kneipenleben“ ist dir ein sehr atmosphärisches Gedicht gelungen. Die vielen unterschiedlichen Figuren und kleinen Geschichten machen die Kneipe zu einem lebendigen Abbild des Lebens. Besonders gefallen hat mir, wie du die Mischung aus Hoffnung, Einsamkeit, Freude und Melancholie einfängst. Beim Lesen entsteht das Gefühl, selbst an einem Tisch zu sitzen und den Menschen zuzuhören. Ein warmherziges und authentisches Gedicht mit viel Beobachtungsgabe. Liebe Grüße Max |
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#3 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 362
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Hallo Max,,
genau das ist es,hinschauen und ein Gedicht daraus machen. Ich freue mich, dass Du es gelesen hast. Danke für Deine Worte. LG vom Taxi5013 |
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#4 |
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Eiland-Dichter
Registriert seit: 28.12.2013
Beiträge: 90
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Hallo Taxi5013,
Prost! Nach dem Adler-Epos im Hochgebirge nun also der literarische Absturz in die verrauchte Kiezkneipe. Was für ein filmreifes Drama! Ich bin besonders fasziniert von den modischen Trends in deiner Stammkneipe: Eine Schöne flirtet mit einem „Mann im feinen Kleid“? Chapeau für so viel modische Offenheit am Tresen, auch wenn du vermutlich den Anzug meintest. Aber hey, wer „aus Zeit“ hat (was auch immer das bedeutet), der nimmt es wohl auch mit der Garderobe und der Grammatik nicht so genau. Reimtechnisch brennst du hier wieder ein wahres Feuerwerk ab. Erst wollen die Studenten „Präsidenten“ (wieso auch immer das ein Verb ist), dann reimst du mutig „Laternen“ auf „Morgenstern“, nur um das Ganze mit dem absoluten Endgegner der Poesie zu krönen: „Theke“ auf „wecken“. Da schunkelt das Metrum direkt weinend in die Ecke. Und die philosophische Tiefe erst! Der Fremde bestellt „Irgendwas, das zieht“ (vielleicht ein schönes Pils im harten Luftzug?), der Professor sitzt beim Hafenmann, und am Ende bleibt einer zurück, der „nach dem sucht, was war“. Ich tippe mal ganz stark, er sucht nach dem verlorenen Faden des Gedichts oder schlicht nach seinem Verstand. Ein echtes Meisterwerk der sentimentalen Kneipen-Romantik. Nach deinem Gämse-Adler im Hochgebirge nun also die perfekte Fortsetzung deines ganz persönlichen lyrischen Absturzes. Ich trinke eine Molle auf dich! Freundliche Grüße thommi |
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#5 |
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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 362
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Hände weg vom Alkohol!
Man sieht bei Dir, ein Mensch, der sich total in einen Beitrag hineinversetzen kann, schwimmt auf einer Welle der von Eigenlob. ÖG vom Taxi5013 |
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