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Alt 17.02.2010, 17:56   #2
Walther
Gelegenheitsdichter
 
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Liebe forelle,

Dein Gedicht über die Rose mit Dornen (oder war es die Schlehe?) ist irgendwie unkommentiert geblieben. Und da ich gerne Schätze hebe, die so langsam ins "Archiv" zu verschwinden drohen, dachte ich bei mir, diesem Gedicht könnte man ein paar Worte widmen.

In der ersten Strophe sehe ich das LyrIch an einer Küste stehen oder an einer Wand lehnen, die bis unter die Wasseroberefläche reicht. Die Wellen klimmen an ihm empor, während sie - sich brechend - die Wand hinter der Küstenlinie erreichen. Dadurch steigen sie am LyrIch empor und erklimmen es, wenn die Tide steigt, regelrecht.

In der zweiten Strophe wechselt die Perspektive, und das LyrIch will umarmen, die Welt und das Leid von ihr (= die Dornen). Das ist ebenfalls interessant, und man könnte sich vorstellen, wie das LyrIch, im warmen Wasser stehend, träumt und sinniert.

Dennoch sehe ich zuviel des "Umarmens" in dieser Strophe. Da wird m.E. ein wenig zu dick auftragen durch die Wiederholung. Einmal oder zweimal "Umarmen" würde m.E. ausreichen, ohne Wirkung abzuschwächen.

Mit der dritten Strophe komme ich nicht zurecht, da mir die Logik nicht ganz nchvollziehbar erscheint. Der Sprung von den Dornen der Welt zum Blattsaft ist mir ohne ein weiteres Bindeglied nicht einsichtig. Hier fehlt das, was man "den Leser mitnehmen nennt", dadurch verschließt sich der Text zur Sinn- weil Verständnislosigkeit. Mein Vorschlag wäre, die Aussage der Strophe nochmals zu schärfen, denn sie hat sicherlich aus Deiner Sicht einen guten Grund, sonst stünde sie ja nicht da. Nur - wenigstens - ich verstehe Strophe, Hinführung und Grund nicht.

In diesem Sinne danke ich Dir für das Lesevergnügen und die spannenden Überlegungen, die Du bei mir angestoßen hast, und wünsche Dir frohes Dichten und Werken.

LG W.
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Dichtung zu vielen Gelegenheiten -
mit einem leichtem Anflug von melancholischer Ironie gewürzt
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Geändert von Walther (17.02.2010 um 17:59 Uhr)
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