Thema: Krötengeunke
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Alt 15.08.2011, 10:21   #5
a.c.larin
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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hallo wolo von thurland,

das hast du gut erkannt: "warum muss man" und "wozu kann es gut sein" sind zwei paar stiefelchen.

das "warum" des schreibens hat viele gründe: aus spaß, aus langeweile, um eine erkenntis für sich selbst fassbar zu machen, als ventil für eigene emotionen, um einen wichtigen inhalt zu kommunizieren, als apell an andere, zum zwecke der selbstdarstellung. manche leben auch davon, weil sie einen brotberuf daraus gemacht haben.

die frage: warum machst du das so? ist aber insoferne interessant, als sie aufzeigt, dass der fragende an irgendetwas anstoß genommen hat.
und darüber könnte jetzt kommuniziert werden.

hier kommen wir gleich zum "wozu" des schreibens ( vor allem jenes schreibens in foren). die vielzahl der freizeit-und hobbydichter schreibt zumeist nur für die eigene schreibtischlade - in foren aber gibt es eine art öffentlichkeit, und nun könnte man z.b. den spaß teilen, die trauer mitteilen,
den ärger zeigen, ein problem zur diskussion stellen.....

und dafür kann man dann alles an interaktion ernten, was man auch im RL ernten kann: anerkennung, anteilnahme, missverständnis, ablehnung, gleichgültigkeit.....
man kann auch versuchen, zu unterhalten und selber unterhalten zu werden.

dafür ist, wie ich meine, die spaßrubrik der richtige ort.
insoferne wundert es mich ein bisschen, dass du dir von dem gedichtlein so etwas wie "woher die depressionen kommen" erwartet hast.
das kann es, denke ich, schon mal von der ausgangslage her, nicht leisten.

es wird aber sicher gute gründe haben, warum dir gerade dieser punkt aufgestoßen ist. ( wenn du sagst: "ich arbeite mit traumata-opfern) dann liegt die beantwortung dieses "warum" wahrscheinlich in der richtung. ich vermute das jetzt mal)
es steht dir zu, denke ich, dir das zu wünschen. nur, warum ausgerechnet in dieser rubrik?
an ein spaßiges gedicht den anspruch zu stellen, es möge das können, worüber sich schon eine heerschar psychologen in unzählige dicken wälzern den kopf zerbrochen hat, das kann wahrscheinlich nur in eine gewisse enttäuschung münden.


ich für mich persönlich habe wieder einmal festgestellt, dass humor eine kitzlige sache ist. witze können einfach in die hose gehen. und sie können ganz unterschiedlich ankommen, je nach befindlichkeit dessen, der sie gerade liest. ich vermute jetzt mal, norbert hat hier einen bestehenden witz neu vertextet . ich kannte ihn noch nicht. mir hat er halt gefallen.

ich selber kann allerdings auch nicht jeden tag einen witz hören.
ich habe auch schon texte gelesen, die von anderen als urlustig befunden wurden - und ich selber wusste gar nicht, wo da der witz lag. es scheint unterschiedliche auffassungen zu geben, was lustig ist
andererseits kann ich wiederum selber recht albern daherschwafeln - und das wird genausso gemocht oder auch nicht.

ich verstehs. wenn ich selber in einer eher angespannten, bedrückten stimmung bin, gehen mir alberne leute mördermäßig auf den keks!
doch wenn ich gerade mal fröhlich, übermütig sein kann und sollte mich dann zurücknehmen müssen, weil irgendjemadn gerade den blues hat, dann fühle ich mich gegängelt......

da haben wir menschen wohl nicht ganz leicht miteinander.....
wenn wir nämlich nur dann lachen dürften, wenn keiner traurig ist, kämen wir überhaupt nicht mehr dazu!
lachen hat aber eine ungeheuer wichtige, psychohygienische funktion.
im traurigsten winter meines lebens kam ich in eine schar leute, wo der "schmäh" lief - und ich habe gelacht. das war eine art und weise, mir im moment über die krise zu helfen.

es gibt so vieles, das uns belastet - jeder der grade mal lachen kann , sollte es sofort tun! ( vielleicht nicht unbedingt in anwesenheit deren , die gerade den liebsten menschen oder ihren job verloren haben - aber doch!
immer wieder und wieder - trotz alledem.

norberts gedicht lese ich vor allem unter dem aspekt: "sell-fullfilling-prophecy".
einen teil dieser "prohezeiungen" kriegen wir schon als kinder umgehängt:
aus dir wird ja nie was richtiges werde....du bist viel zu dumm, um das je zu können...... bei deiner größe kannst du das vergessen.....usw...usw...

sie begleiten uns oft große teile des lebens und lassen sich nur schwer abschütteln.
andere grundannahmen haben wir uns selber gemacht ( als reaktion auf das, was wir erlebten - und manche dieser schlüsse werden dann so eingespeichert, dass sie zum "selbstläufer" werden, der das übel nicht nur visionär an die wand malt, sondern regelrecht manifest werden lässt!

ich habe festgestellt, dass z.b. ängste die tendenz haben, sich zu erfüllen -
ähnlich dem einzelnen baum auf der schipiste, der den schifahrer "magsich" anzieht, bis zum aufprall!
nach dem dritten baumunfall kann man dann schon depresssiv werden ( "Warum muss sowas immer mir passieren"?)

so kann das sein, die andere variante wäre, nachzufragen, welchen "trojaner" man da im eigenen hirncomputer sitzen hat, der aus dem unterbewusstsein heraus in die suppe spuckt und sie vergurkt!
den eigenen anteil erkennen - ein erster schritt zur lösung.

ich frage mich ja gerade, ob nicht das derzeitige riesentheater um die schlechten bewertungen der rating -agenturen etwas ganz ähnliches ist.
da wird die zahlungsfähigkeit eines staates schlecht bewertet, was dazu führt, dass alle die panik kriegen, anleihen abstoßen, investitionen abziehen, sich zurücknehmen, sich nichts mehr trauen. da aber auf dem finanzmarkt alle miteinander verbandelt sind, führt das dazu, dass es nun große finanzausfälle auch in anderen staaten gibt, worunter wiederum deren zahlungsfähigkeit leidet, weswegen die rating-agenturen grund bekommen, deren zahlungfähgikeit schlechter einzuschätzen, was wiederum dazu führt......
na großartig!
oder, mit anderen worten: zu tode gefürchtet ist auch gestorben!

wie ich norbert kenne, hat er sicher "aus erfahrung" geschrieben (woraus bitte sonst?) - nur muss das ja nicht die unmittelbare, persönliche sein.
ein guter beobachter - und als solchen habe ich ihn schon kennenngelernt - muss ja nur mal eine weile zugucken, wie es so zugeht auf der welt...

und so iss es halt: wir reden uns allerhand ein!

doch jetzt kommt die gute nachricht:
da wir uns allerhand einzureden imstande sind, müsste es doch auch möglich sein, uns allerhand auszureden

klingt zwar jetzt infantil und komisch - aber vielleicht ist da ja was wahres dran:
lieber "gesund beten" als "krank jammern"!

das unterbewusstsein folgt jedenfalls immer genau seiner programmierung!

liebe grüße, larin

Geändert von a.c.larin (15.08.2011 um 10:33 Uhr)
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