Hallo, eKy,
das nenne ich ein "Winterdepressions-Gedicht". Die kurzen, trüben Tage und die langen Nächte können wirklich aufs Gemüt schlagen.
Auf der anderen Seite kann es auch um ein LI gehen, das früheren, glücklicheren Zeiten "nachtrauert" - dem leisen Echo sommerlichen Glücks. Im Gedicht finde ich beide "Sichtweisen".
Dieses Mal habe ich allerdings ein paar Stellen anzumerken.

Nimm meine Vorschläge einfach "für die Zukunft mit":
Zitat:
Der graue Morgen hebt sich nicht, er sickert - "(nach)sintern" ist ein technischer bzw. medizinischer Begriff, das passt nicht gut zur "Melancholie" des Inhalts
als trübes Zwielicht bleiern in den Tag - "in den" klingt einfach besser
wie Schmerz, der im Betrachter überwintert,
mit dem Geschmack von altem Zahnbelag. - "und der Geschmack ..." fügt sich inhaltlich nicht gut "zusammen"
Erstarrtes Wasser zwischen Frost und Tauen,
verschmiert auf Wegen oder ins Gemüt,
diffus im Nebel, wie im fernen Ungenauen, - Georg Trakl hat "vag" zwar in seinem Gedicht "Der Spaziergang" verwendet - aber als Endreim auf "Kindertag"; mitten im Vers klingt es für mich doch etwas "unschön". "Diffus" ist zudem noch ein Synonym von "vage", das passt gut.
ein matter Schein, der sich um Welt bemüht.
Ein Bild entspinnt sich dem erwachten Auge,
so fern der stillen Sehnsucht seines Blicks,
denn Winter fragt nicht, was Verweilen tauge
in leisen Echos sommerlichen Glücks.
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Das sind aber nur kleine Erbsen, das Gedicht ist gut geschrieben, besonders die letzte Strophe ist sehr schön formuliert! Auch die Metaphern passen wunderbar zur "Stimmung". Also nimm meine Anmerkungen nur als "Denkhinweise", einverstanden?
Sehr gerne gelesen und kommentiert.
Liebe Grüße
Stimme