Hallo Taxi5013,
ich bin sprachlos. Nach dem nuklearen Weltuntergang durch deinen herbstlichen „Sonnentot“ mutierst du nun also zum melancholischen Hollywood-Liebhaber, der nachts im Regen vor den Luxus-Schaufenstern herumlungert. Breakfast at Taxi’s – was für ein episches Melodram! Ich bin mir ziemlich sicher, Audrey Hepburn würde sich im Grabe umdrehen und vor lauter Schreck ihre edle Zigarettenspitze fallen lassen, wenn sie sehen müsste, in was für einen schlüpfrigen Altherren-Schmalz ihr Filmklassiker hier verwandelt wird.
Das Drama beginnt allerdings schon vor der eigentlichen Handlung und zwar beim Blick auf deine Überschrift. Du betitelst das Werk ganz stolz mit „Tifany“ – mit einem einzigen, einsamen „f“. Im Text selbst klappt es dann plötzlich wie durch ein Wunder mit dem Doppel-f. Da ist dir beim hastigen Eintippen der Überschrift wohl ein Buchstabe im Dickicht deines Pliozän-Gedächtnisses abhandengekommen.
Inhaltlich ist dieser Diamanten-Schmalz an Fremdscham kaum zu überbieten. Du stehst da und träumst von einer Frau, deren Augen dir laut deinen Zeilen sagen: „Man muss nicht alles besitzen, um Glück zu ertragen.“
Taxi, kleiner philosophischer Denkanstoß: Man „erträgt“ Schmerzen, Kummer, schales Bier ... oder deine Lyrik. Aber man erträgt doch kein Glück! Wer bitteschön leidet denn so schwer unter einem akuten Anfall von Glückseligkeit, dass er es kaum „ertragen“ kann? Da weicht der gesunde Menschenverstand wieder einmal dem nackten Notreim auf dein „sagen“.
Rhythmisch und handwerklich ist die dritte Strophe dann der nächste Stolperstein. Da bricht dein mühsam kopierter Fließtext-Rhythmus komplett ein, weil du viel zu viele Silben mit Gewalt in die Zeile pressen musst:
„Vielleicht kommt sie jetzt durch die nächtlichen Straßen, mit einem Lächeln, das Sorgen verblassen lässt.“
Das ist metrisch ein absoluter Krampf und holpert wie ein Traktor ohne Reifen. Und weiter hinten verlässt dich dann auch noch das Gehör, wenn du todesmutig das lange „Ziel“ auf das kurze „still“ reimst. Solche phonetischen Notlandungen bei den Reimen ziehen sich eben wie ein roter Faden durch deine Werke.
Am Ende fährt dann – wie könnte es in deiner egozentrischen Traumwelt anders sein – auch noch ganz kitschig ein Taxi vor. Ich vermute ja ganz stark, der Chauffeur sollte dich nicht ins Morgenlicht fahren, sondern dich einfach mal ganz behutsam abholen und dorthin bringen, wo man dir das richtige Buchstabieren von Luxusmarken und den Unterschied zwischen „ertragen“ und „genießen“ beibringt.
Danke für diese schmalzige Hollywood-Schnulze aus der Text-Spardose. Oscarverdächtig – allerdings nur in der Kategorie „Beste unfreiwillige Komödie“!
Freundliche Grüße
thommi
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