Hallo Thommi,
danke für deine Gedanken zum Thema Religion. Ich glaube, dass du deinen Beitrag mehr aus dem Gefühl heraus, denn aus Überlegung geschrieben hast. Daher ist es klar, dass du einige deiner Argumente nicht bis ganz zu Ende gedacht hast und dich der gängigen "Vorurteile" bedienst. Ein Beispiel: Du leugnest die Existenz von Gott, gleichzeitig möchtest du aber, dass falls dieser Gott existiert, er "seine Schöpfung" stets glücklich und zufrieden hält. Wir brauchen uns hier nicht darüber unterhalten, dass jedes gequälte Kind, jeder unterdrückte Mensch einer zu viel ist. Dass jeder Krieg schrecklich ist. Aber mir persönlich stellt sich schon die Frage nach dem Verursacher! Und das ist, egal ob es einen Gott gibt oder nicht, immer der Mensch.
Die Mißstände der Menschheit also welchem Gott auch immer zuzuschreiben ist ein einfacher billiger Reflex. Ich glaube das kannst du besser.
Ein weiteres Problem, das ich mit deinem Text habe ist, dass du nicht unterscheidest zwischen Glaube und Religion. Natürlich braucht niemand Religion, das kann ich nachvollziehen. Aber Menschen brauchen nicht nur Licht, Luft, Wasser und Proteine sondern auch Liebe, Zuwendung, Inhalte und wenn es dicke kommt, einen Sinn im Leben. Und da kommt Glaube, Moral und Ritus ins Spiel. Das sind, wenn man in deinem Kontext bleiben möchte die Werkzeuge der Kirchen.
Meine These ist, dass so lange wir es den Kirchen überlassen, den Sinn des Lebens zu definieren und den Massen so etwas wie Moral zu vermitteln, wir uns nicht darüber wundern dürfen, wenn die massenhaft austretenden Menschen eben genau dies nicht mehr in ihrem Leben finden. Dein "ich will Sex and drugs ..." heisst nichts anderes als, ich kümmere mich einen Dreck um eure Moral. Und jetzt komme ich mit der Keule: Wenn du das wirklich glaubst, warum bringst du nicht einfach den Nächsten um? Was hält dich davon ab, dem nächsten Mütterlein die Handtasche zu entreißen?
Der Trend im Netz geht dazu, sich selbst immer nur der Nächste zu sein. Es werden Ungeheuerlichkeiten gepostet für einen Moment des Triumphes über Menschen, denen man vorher nie begegnet ist und die man nie Aug zu Aug sehen wird. Die Moral, die Sitte und der Anstand nehmen leider im gleichen Masse ab, wie die Austritte zunehmen. Niemand hält den Mob, der sich um nichts mehr schert.
Wenn du für dich postulierst, dass du selbst gefestigt genug bist ein Leben ohne einen Gott anständig leben zu können und darin Sinn sehen kannst, dann be my guest! Ich ziehe den Hut. Aber in der heutigen Zeit hätte ich lieber mehr Menschen in der Kirche statt auf einem AfD Parteitag.
Abschließend bemerkt und damit du meine Meinung einordnen kannst: ich bin in keiner Kirche, bin vor Jahren ausgetreten und froh darüber. Woran ich glaube ist meine Privatsache. So wie das jeder von uns hält.
Du hast mich ein wenig zum kochen und sehr zum Nachdenken gebracht.
Liebe Grüße
Floris
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