Moin Schamanski,
dat is herrlich.
Ein lupenreines Sonett, sauber gebaut, klassisches Reimschema, durchgehender 5-hebiger Jambus – und dann dieser wunderbar ruppige, breitbeinige Ton, der das Ganze trägt. Du hast hier ein Stück geschrieben, das gleichzeitig schimpft, lacht und sich selbst nicht zu ernst nimmt.
Die Mundart wirkt wie eine Mischung aus Ruhrpott und kölschem Einschlag – dieses „Watt“, „datt“, „inne“, „krich ich“ ist eindeutig rheinisch‑westfälisch gefärbt, aber nicht streng dialektgebunden. Es ist eher der Tonfall eines Menschen, der sich über die Welt aufregt und dabei charmant bleibt.
Besonders schön ist die Volta:
Nach all dem Gemecker kommt die resignierte Einsicht, dass man sich selbst retten muss, bevor man genauso „pillepalle“ wird wie die anderen. Und die Schlusszeile ist ein Volltreffer – dieses „Weckt mich im März. Nee, sahng wa lieber Mai.“ ist ein perfekter, lakonischer Abgang.
Ein Sonett, das schimpft, aber mit Stil.
Ein Dialekt, der knurrt, aber lächelt.
Sehr gelungen.
Liebe Grüße
Falderwald