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MakaVeli 20.07.2026 04:57

Vom All ins All zurück
 
Ja Dichter, weiter, sei famos,
zeige Größe, blas dich auf,
reg gewaltig dich, ganz groß,
nimm den Sinnverlust in Kauf
den feste Formen mit sich bringen,
die uralt sind und auch so klingen,

Ja Dichter, Dichter! Sag es allen,
gehe für die Jury im Galopp,
in Wrack und Korsett zu gefallen,
lustwandel durch die Zeit, als ob
dich mehr als Beifall intressiert
der lange schon verapplaudiert,

während unisono alle Meister
von denen du keiner bist,
wo einst Dingsda, Nawieheißter
nichtsundniemand heute ist,
nennen formlos nicht bloß richtig -
sondern überlebenswichtig.

Das Gebot der letzten Stunde:
verliere dich in dieser Zeit,
kehre Heim zum Quell am Grunde
zum Anfang hin in Ewigkeit,
durch die Flüsse in die Meere,
in die Weiten aus der Leere,

breche heute für das Ende
in jedem Tropfen dieses Licht,
gehe mit dem Kopf durch Wände
für Sprache, die zu allen spricht,
damit dann, wenn sie Morgen flutet
jeder für uns in sie blutet,

tauche ab, um dich zu finden,
gib jedem Wort das Ehrenwort,
lasse los, um dich zu binden,
geb für Morgen heut dich fort,
lass den Stummen, Tauben, Blinden
heute seine Rohrpost finden,

so die Tauben, Blinden, Stummen
in ihr Richtung Morgen treiben,
lass deinen Stolz für die Krummen
grad im ew'gen Kreise bleiben,
die Knospen blüh'n durch's Brache
durch die Liebe deiner Sprache,

lass diese Worte dir erlauben,
in denen keine Grenzen stören,
damit die Stummen, Blinden, Tauben,
durch sie sprechen, sehen, hören,
womit sie heute sich noch zieren
soll Morgen sich im Beat verlieren

und will einer es besser wissen?
Aus vielen Kehlen, einem Herz,
allen Dichtern: drauf geschissen!
So nimmt Kariertklein den Terz,
seine Hosenträger, Stibbellack,
und reist für chapeu-claque

bis nach Weimar hin zurück
wo der Esel, Edelkutscher,
fährt Rennen durch sein Stück
und verliert, der Lutscher,
klappernd um die erste Ecke
gegen eine schnelle Schnecke,

die lange vor ihm ist geboren,
sie schleimte Richtung Horizont.
Die Taktik, ja, sei ausgegoren
benennt er als gewohnt, gekonnt.
Sie führe ihn zu sich ins Ziel.
Gar und klassisch. Das sei Stil,

während wir aus Liebe, Liebe,
ohne Liebe, ohne Not,
weil am Ende sonst nichts bliebe,
nur durch Treue in den Tod
führ'n Altes hin zu neuem Glück
und vom All ins All zurück.

Falderwald 22.07.2026 17:29

Hallo MakaVeli,

dein Text entfaltet eine große Geste, die sich allerdings ständig selbst unterläuft. Die Form wechselt ohne erkennbare Funktion zwischen Jambus, Trochäus und freien Takten; Hebungen brechen ab, neue setzen ein, als würde der Rhythmus selbst nicht wissen, wohin er will. Das erzeugt keine Dynamik, sondern eine Unruhe, die den Text fahrig erscheinen lässt.

Die Strophen bestehen aus einer Kaskade von Imperativen, die sich wie ein poetischer Pflichtenkatalog aneinanderreihen. Das wirkt weniger wie ein lyrischer Aufbau als wie eine Predigt, die sich selbst immer weiter antreibt, ohne ihren Fokus zu halten.

Inhaltlich will der Text sehr viel zugleich: Formkritik, Pathos, Dichterethik, kosmische Rückkehr, moralische Forderung, Selbstopfer, Erneuerung — und mittendrin eine Weimar‑Episode, die wie ein eingeschobenes Kabarettstück wirkt und den Ton eher zerreißt als bereichert.

Die Energie ist zweifellos da, aber sie bleibt ungerichtet. Der Text erzeugt ständig neue Bewegungen, ohne sie zu bündeln, und ruft nach „Formlosigkeit“, während er selbst unentwegt neue Formen erzeugt, die sich gegenseitig überlagern.

Insgesamt entsteht ein Werk, das viel will, aber nichts konzentriert. Die Imperative treiben, die Metrik stolpert, die Bilder springen, und die Struktur verliert sich in ihren eigenen Ansprüchen.

Viele Grüße

Falderwald




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