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MakaVeli 04.04.2026 21:52

in einem atemzug
 
Zum ersten Mal in meinem Leben
bin auch ich ein Teil der Tage,
aufsteh’n, schlafen, Füße heben
in stabiler Scheitellage
nachdem ich alle Wege abgeritten
auf dem Esel, der ich bin,
auf Pfaden, die sie abgeschnitten,
durch die Hölle in mir drin
in das Dunkel, dort zu wühlen,
wo das Kind findet Sinn
beginnt in Enden Licht zu fühlen,
einer Spur zum Anfang hin,
folgt nach dem ersten Schritt aus Babel,
nach einem Klaps durch’s Leben
der Heimweg Heim zum Nabel,
wieder zurück dahin eben

wo ich niemals enden wollte,
wo das alles enden musste,
wo all das niemals enden sollte,
wo der weiß, der endlich erst zu wissen wusste:
es endet alles am Beginn,
durch die Tränen, durch ein Grinsen
führt eben nur aus mittendrin
noch ein Weg aus diesen Binsen –
von Anfang her war hier verloren,
was ich verführt, gehetzt
zu bewahren hab‘ geschworen,
was nicht mehr schmerzt und so verletzt,
von Angang her war es längst fort,
seit ich auf meinem Weg nach Hause,
war's die ganze Zeit schon dort

und am Warten.
Nicht auf mich,
denn durch das Irren grünt ein Garten
durch Hingabe, für euch, für dich
und wenn ich’s schaffe, dich zu finden,
indem ich, nicht zu fassen,
ankomme bald durch ein Verschwinden,
durch ein Halten und ein Lassen
war bei mir längst, was ich je jagte
und nichts was ich tat, je richtig,
und von mir weg lang, was mich plagte;
weil's so zu tun nur gut und wichtig,
weil die Lösung hier nur dem gelingt
der sich endlich überwindet,
und das Kind aus sich zu Tage bringt
und durch das Lied davor erblindet
und für den Fluss darin versinkt,

denn am Ende gibt dies Leben
dem die Liebe, der es hasst,
gibt jenem seinen Platze eben,
der’s verlässt, weil er nicht passt –
am Ende lässt’s die Wirren spüren,
dass, ganz klar, nur der es spürt,
der bereit ist, es zurück zu führen.
Schwer angefasst, doch unberührt.
Am Ende heißt doch aufrecht stehen,
nur Kopf hoch und nach Atemzug
bis zum Ende untergehen,
für Klugheit bist du dumm genug
ohne Drang zum Drüberstehen,
und so geh ich meine letzte Schritte
von mir Weg zu dir hin
aus mir raus in deine Mitte
verlassend mich, von mittendrin

nach weit raus in den Garten,
wo ich dich küsse, nicht mehr bin –
dort werd‘ ich so lang auf dich warten,
bis dem Feuer in mir drin,
wie dem Feuer, dass uns treibt
keine Luft mehr ist für Neubeginn –
bis nichts als Frieden endlich bleibt,
mach ich’s, wie das Kind,
mach ich’s, wie der Dichter,
wenn wir vor Spieltrieb Seekrank sind –
Augen zu und aus die Lichter!
Denn's ist, es ist, es ist okay,
wenn wir unter Schiffbruch leiden,
geht’s unter Deck und raus auf See!
Von hier weg! Heim zu uns beiden!


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