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Zaubersee 24.12.2014 02:30

Wie die Sterne in den russischen Himmel kamen
 
Ich habe russische Träume
darin sitzen wir in einer Troika
in Pelz, in Muff und schweren Mützen
wir fahr`n durch schneeverwehte Räume
von Decken tropft das Eis in Pfützen
auf deiner Zunge glitzert Euka

hüja Pferd
zum Küchenherd
vom Borrtsch geklaut
der Zar zetert laut
ho ho ho ho
Väterchen Frost wird heut noch streuen
und Baba - Jagas Füßlein bläuen

Lyptus weht aus Nas und Ohren
luftig fallen Schneeflöckchen auf Wimpern
zwei Glöckchen läuten hell gemütlich
hab mich in deinem Blick entfroren
aus Sälen schlittert Flügelklimpern
dein Kuss im Traum ist heiß vergnüglich.

vorwärts Ross
raus aus dem Schloss
hinein in den Wald
dort pfeift es schon kalt
he he he he
Väterchen Frost lockt zum Erfrieren
wird schon mal den Eisbrand schüren.

tief in mir: russisches Sehnen
im Vollweibherzen klirrt Wodkaglut
vom Mond heult ein Wolf Glashimmeltöne
wir lachen mit den Winterschwänen
vor deiner Wolgaseele auf der Hut
fang ich mein Fieber für brave Söhne

Pferdchen hopp
schnell im Galopp
denn sonst kommt der Bär
sein Brummen grollt schwer
ha ha ha ha
im Kreml weint Anastasia -
Sterne in den Himmel - eismärchenklar.

C. Zaubersee

Bodo Neumann 24.12.2014 11:42

Hallo Zaubersee,

doch, ich mag schon, was du (oder irgendein verrücktes Schneeflöckchen) da geschrieben hast. Die benutzten Bilder sind vielleicht ein bisschen sehr klischeehaft russisch (doch jedes Klischee hat ja auch seine Ursachen), aber sie haben in mir schon Lust geweckt, diese heiß-kalte und sehr verträumte Schlittenfahrt noch ein Stück weiter zu genießen.

Gelungen finde ich auch den Rhytmuswechsel zwischen den Strophen bzw. zwischen Strophe und "Refrain", wenn man das so nennen darf. Als Kind habe ich große Mengen russischer Märchen geradezu verschlungen und ich glaube, dabei sind mir auch diese Art Verse, wie du sie im Refrain benutzt hast, immer wieder begegnet. Also wirken sie auf mich sehr authentisch.

Weniger gut, gefällt mir metrische Umsetzung. Hier liegt meiner Meinung nach noch erhebliches Verbesserungspotential - es sei denn, du wolltest bewusst einen gewissen naiven Charakter des LI herausarbeiten. Glaube ich aber nicht. :)

Auffällig ist auch der Bruch des Reimschemas gleich in der ersten Strophe (im Gegensatz zu den anderen beiden), aber nicht wirklich störend. Allerdings kann ich nichts mit "Euka" anfangen. Ist das eine spezielle russische Sache? Mir fällt da nur Eukalyptus ein - aber ob der auf der Zunge glitzert...? Ich weiß nicht...

lg Bodo

Zaubersee 24.12.2014 16:10

Hallo Bodo,

vielen Dank für Deine Rückmeldung zu meinem Text.
Klischees; ja, ich habe ja so ziemlich alles zusammengeklaubt, was über Russland durch die Welt und meinen Kopf geistert. Darum ist es natürlich auch naiv. Allerdings metrisch nicht gewollt naiv herausgearbeitet. Hier habe ich in der Tat eine Menge zu lernen. Da meine Vorlieben eher Prosa-Lyrik und freie Rhythmen sind, dauert es ein wenig( länger), mit dem Lernen ;) aber ich bin bereit und scheine hier genau in dem richtigen Forum dafür gelandet zu sein.

Das russischmärchenhafte mag ich wirklich sehr es war so schön sich darin auszutoben.

Euka aus S1V6 gehört zu Lyptus aus S3V1 und wird dort zu Eukalyptus :D
kleiner Scherz am Rande des Textes, deine Idee war also gut. Und natürlich glitzert und blinkt Euka auf der Zunge hin und hergeschoben und zwischendrin den Mund zu einem Lächeln geöffnet während der Atem nebelig in die frische russische Winterluft wabert.Doch, ganz bestimmt:Blume:

Liebe Grüße aus einem Heilignachmittag

Zaubersee

Bodo Neumann 26.12.2014 13:01

Hallo Zaubersee,

Zitat:

Euka aus S1V6 gehört zu Lyptus aus S3V1
Asche auf mein Haupt - das hätte mir auffallen müssen...:rolleyes: Lyptus sagte mir zwar nichts, aber ich hielt ihn/es einfach für irgendeine Fabelfigur aus der Weite der russischen Wälder und habe mir weiter keine Gedanken darüber gemacht. Den Sprung in die (über)nächste Strophe finde ich ganz okay, wenngleich ich mit Eukalyptus immer noch keinen russischen Gedanken verbinden kann.

Um einen Anstoß in Richtung einheitlichen Rhythmus zu geben, habe ich mal ein wenig an der ersten Strophe gebastelt, mich dabei für den Trochäus entschieden (der betonte Auftakt gibt meiner Meinung nach der kraftvollen, übermütigen Schlittenfahrt den nötigen Schwung) und den Versen 4 Hebungen verpasst. Darunter musste leider der Muff leiden. Das tropfende Eis habe ich gestrichen, weil es bei mir Tauwetterstimmung hervorruft - die passt nicht in mein frostig-kaltes Wintermärchenbild. Dafür habe ich V2 und V3 getauscht, sodass das Reimschema zu den anderen Strophen passt. Das ganze sieht jetzt so aus:
Russisch wirbeln meine Träume:
Dick in Pelz und schweren Mützen
fliegen wir in unsrer Troika
über schneeverwehte Räume -
Licht brilliert in eis‘gen Pfützen,
auf der Zunge glitzert Euka…
Wie gesagt - könnte man so machen, geht aber sicher auch anders.

lg Bodo

Zaubersee 16.01.2015 13:33

Hallo Bodo,

tut mir leid, dass ich mich erst so spät melde; Du hast Dich bemüht Ordnung in meinen Text zu bekommen, dafür möchte ich mich zunächst bedanken :Blume:
ich möchte auch gern mitspielen ;) und meine Gedanken mit einfließen lassen.
Aus unterschiedlichen Gründen hatte ich bisher die Ruhe nicht mich gedanklich dorthin zu wenden. Aber: versprochen das hole ich nach. Es braucht noch einen kleinen Augenblick...

Alles Gute zum neuen Jahr ... und Eukalyptus hat nur etwas mit der Kälte und en oft daraus resultierenden Erkältungen zu tun. In manchen Dingen sind wir eben alle gleich :D

Zaubersee


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