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Allerseelen
Der Herbst erkältet sich in feuchten Ecken,
und unter Gaben, leuchtend aufgetischt, bleibt nun ein modriger Geruch gemischt; Verfaultes ist in jeder Frucht zu schmecken. Das letzte Grün verliert die letzten Schnecken, und alles Milde scheint wie weggewischt, das Licht der Wärme flackert und verlischt in jenen Stunden, die den Tag erwecken. Noch friert es nicht, jedoch die ersten Boten von Eis und Schnee, getragen von den Winden, gebieten ein Gedenken an die Toten. Wenn Jahr und Leben unerbittlich schwinden, erscheint uns Freude plötzlich wie verboten und durch die Wintertage schwer zu finden. |
Servus Erich, |
Lieber eKy,
beim Titel wurde ich sofort neugierig und unterstellt etwas "gegen Religionen".:D Aber nein, man kann auch religionsfrei der Toten gedenken. Gefällt mir sehr dein von Schwere getragenes Sonett. Zitat:
Chavalis Vorschlag ist evtl. klarer in der Aussage, aber er nimmt der Melodie jene Schwere, die das Gedicht trägt. Liebe Grüße Dana |
Hi, Chavi, Dana!
Vielen Dank für eure positiven Kommis!:) Was die letzte Zeile angeht, irrt ihr beide: Der Bezug auf "Freude" und das "scheint" gilt für beide Zeilen: Die Freude scheint wie verboten // und alle Wintertage (hindurch) schwer zu finden. "Alle Wintertage" ist nur eine Zeit(dauer)angabe. Bezöge sich das "schwer zu finden" der letzten Zeile auf die Wintertage, ich hätte zusätzlich zum "scheint" in der vorletzten Zeile in der letzten ein "scheinen" einflechten müssen, da die Freude in der Vorzeile ja Singular ist, die Wintertage hingegen Plural. Das "scheint" in der vorletzten Zeile hätte nicht gepasst. LG, eKy |
Servus Erich,
ja, so ist es, das ist gut beschrieben. :) Im späten Herbst, wenn sich sogar die meisten Pilze schon wieder zurückziehen, es aber noch nicht so eisig ist, dann liegt auch überall in der Natur der Geruch von Moder in der Luft. Ganz besonders stark ist diese feine Note der Fäulnis und Verwesung in Gewässernähe wahrzunehmen. Was liegt da näher, als einen religiösen Gedanktag für alle Verstorbenen in diese Zeit zu platzieren? Das passt genau in das Bild einer antiquierten und brutalen Religion, deren Hauptsymbol ein Hinrichtungsgerät ist, an dem ein armer Kerl unter Qualen sein Leben ausgehaucht hat. Da ist es auch kein Wunder, wenn alle Freuden wie verboten und die Wintertage als schwer erträglich scheinen. Ich gedenke meiner Verstorbenen lieber an einem schönen Sommertag, wenn alles im saftigen Grün steht, die Sonne scheint und ein laues Lüftchen weht. So habe ich sie viel lieber in Erinnerung...;) Davon abgesehen hat mir das Sonett mit seiner dusteren Atmosphäre in seinem Sinne gut gefallen. :) Gern gelesen und kommentiert...:) Liebe Grüße Bis bald Falderwald |
Hi, Faldi!
Interessant! so sehr ich dir in allem beipflichte - hier hatte ich nur das Herbststimmungsbild im Sinn, nicht Religionskritik. Aber deine Deutung hat durchaus eine Berechtigung - argumentativ stimmt ja alles!;) Vielen Dank für deine lobenden Worte!:) LG, eKy |
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