Gedichte-Eiland

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Erich Kykal 05.12.2009 17:11

Mondensang
 
Erinnere dich, du alter Mond,
an jene, die wir einmal waren
vor was weiß ich wie vielen Jahren.
Warst du derselbe in der Nacht?
Erinnere dich, du alter Mond,
als wir dich jugendlich besangen,
halb wissentlich, halb unbefangen,
so schwärmerisch von dir bewacht...

Nun schau uns an, du alter Mond!
So viele Sommer sind vergangen,
seit wir das Leben angefangen.
So viele Schatten wirft die Zeit.
Geh schlafen nur, du alter Mond,
dein Licht, es schmeichelt uns nicht mehr,
die Stimmen klingen hohl und leer.
Wir sickern in die Dunkelheit...

Gedenke unser, alter Mond,
wenn lang dir neue Lieder sind
aus junger Herzen vollem Spind.
Hast du uns schon verloren?
Erinnere dich, du alter Mond,
dass wir wie sie an deinem Rand
einst Liebe wurden, Hand in Hand,
und daraus wunderneu geboren...

a.c.larin 06.12.2009 11:05

lieber erich,
wunderschön!
wenn ich nicht so genau wüsste, dass du jemand bist, der in der form um höchste perfektion ringt, würde ich es auch bei diesem einen wort belassen. so aber habe ich mich bemüht, noch einmal genauer hinzusehen.

dieses gedicht ist formal betrachtet fast exakt, nur einige (winzige) ungenauigkeiten sind mir aufgefallen:

"Erinnere dich " verstolpert metrisch betrachtet ein wenig den jambus, wäre mit "erinn're dich" deshalb exakter.
in der ersten strophe sind die zeilen 2,3, und 6,7 neun-silbig, in strophe zwei wechselt hier neun-silbigkeit und achtsilbigkeit, in strophe drei gibts überhaupt nur noch acht silben. war das von dir so gewollt?

in der letzten strophe ist auch zeile acht um eine silbe verkürzt.

leider kann ich dir keine anregungen geben, wie man gleichmäßiger umgestalten könnte, ohne das gesamtbild zu zerfleddern, aber vielleicht regt dich mein kommentar doch an zu weiteren überlegungen....

ein wenig mondsüchtig geworden,
larin

Erich Kykal 07.12.2009 10:59

Hi, larin!

Danke für deine Tipps. Dazu:

Das mit den Silben mag so sein - ich zähle ehrlich gesagt nie nach. Ich trage mir die Arbeit selbst vor und lausche meinem "inneren Wiegen". Woran es sich stößt, wird dann geändert. Natürlich ist diese Methode nicht perfekt, aber so mach ich's nun mal.
Das mit dem "erinn`re": Ursprünglich hatte ich es auch so geschrieben, und wenn man das Gedicht schnell liest, kommt's so auch besser. Ich habe allerdings festgestellt, dass es sich ausgelesen bei langsamem Vortrag besser anhört, deshalb änderte ich es, da das Gedicht ja langsam gelesen werden soll. Es soll so stehenbleiben. Wer möchte, kann ja beim Lesen das ihn mehr oder weniger störende "e" verschlucken.
Die letzte Zeile hab ich ein wenig umgeschrieben, sodass sie in der Länge nun hinkommt. Danke für den Hinweis!

LG, eKy

Medusa 12.01.2010 22:55

Lieber Erich,

das ist es, dies ist die Inspiration, die ich in Deinem Oevre suchte! Tief empfunden, ohne Schmalz, wunderschöne Bilder, schnörkellose Sprache, ja, das gefällt mir, sehr sogar! Nix da mit Rilke-Verschnitt; dies Gedicht kommt für mich authentisch daher.

Sehr, sehr gerne gelesen. Und die kleinen Hüpferlein lasse ich gerne gelten - es klingt einfach nur schön!

Liebe Gutenachtgrüße,
Medusa.

Erich Kykal 13.01.2010 12:25

Hi, Medusa!

Vielen Dank! Klar, man ist nicht immer gleich gut drauf oder hat immer nur Spitzeneinfälle! Auch persönlicher Geschmack und Anspruch des jeweiligen Lesers spielen eine gewichtige Rolle.
Ich kann durchaus gut damit leben, dass nicht alle meine "Schätzchen" gleich gut ankommen, aber ich bin mit den Argumenten nicht immer einverstanden oder kann sie halt mal weniger nachvollziehen. Auch das hat viele Gründe.

Ich hoffe, dass ich mehr bieten kann, was dir besser zusagt, so wie dies hier. In diesem Sinne...

LG, eKy


@ Black Raziel

Danke für die Mühe! Nett, wenn du dich gleich selber korrigierst (kicher, grins)! Das mit dem "denn" ist wohl Geschmacksache - wenn ich es so lese, ist mir die Zeile jedenfalls zu lang. Hängt vielleicht von der Lesart ab...

LG, eKy


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