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Wer bin ich...?
Wer bin ich, wenn ich Gedichte schreibe, |
Huhu chavilein |
Liebe Chavali,
sind wir nicht alle ein bisschen schizo? Macht doch nichts. Schauspieler wissen oft auch nicht mehr, ob sie selbst sprechen, oder eine ihrer Rollen. Liebe Grüße Thomas |
Hi ginnie, |
Hi Chavi,
wenn Du all das Beschriebene tust, machst Du es mir in jedem Fall leicht, das Geschriebene zu kommentieren. Wenn Du es genau so schreibst wie hier: Zitat:
Dass Du Anaphern magst, weiß ich aus anderen Gedichten von Dir und weil Du es selbst einmal erwähntest. Sonst wäre eine solche Behauptung anhand eines einzigen Textes schon ziemlich vermessen. Des weiteren stelle ich fest, dass Du vermutlich keinen großen Wert auf eine allzu glatte Metrik, wohl aber auf flüssige Lesbarkeit legst. Und wie ich an Deiner Reaktion auf Gins Anmerkungen sehe, bist Du offenbar aufgeschlossen für konstruktive Kritik. :) Wenn Du über all diese Dinge schreibst, ist es sicher nicht übertrieben, Dir Fantasie und ein breites Themenspektrum zu bescheinigen. Mehr kann ich beim besten Willen nicht über Dich herausfinden. Mensch, bin ich froh, dass Du mir nicht verboten hast, über Dein Lyrisches Ich zu reden! Sonst würde ich jetzt ganz schön auf dem Schlauch stehen. Lass es ruhig springen! Das nächste wartet bestimmt schon ungeduldig auf seinen Plot. :D Hab mich gerne mit Deinem Werk beschäftigt! Liebe Grüße Claudi |
Liebe Chavali,
wieso meinst du, dass ich nicht zu den Schizos gehöre, bzw. mich ausnehme? "Denken" immer! "Umdenken" höre ich zu oft von Menschen, die etwas dogmatisch sind, links, rechts, grün etc. Deswegen bin ich da vorsichtig. Es war nicht ein Schauspieler, sondern einer der größten und bekanntesten deutschen Schauspieler, der leider nicht mehr lebt. Wenn jemand, der sein Leben der Kunst gewidmet hat, so etwas sagt, lohnt es sich, darüber nachzudenken, was das für das eigene Handeln bedeutet, meine ich. Liebe Grüße Thomas P.S.: Erklären werde ich es nicht, wenn man bereit ist zu verstehen, versteht man. |
Hi Claudi, |
Hi Chavi,
dein Text wirft viele Fragen auf und wenn ich ehrlich bin, dann kann ich keine davon mit Sicherheit beantworten. Letztlich ist es ja so, dass der Dichter oder der Schriftsteller sich in vielen Fällen in eine Rolle hinein begibt, in der er versucht, sich in eine bestimmte Person und / oder Situation hineinzuversetzen. Das heißt, er ist kreativ und versucht Situationen und Personen zu erschaffen. Dabei bleibt es aber immer nur bei der Vorstellung, wie etwas aussehen oder jemand sein könnte, also im Konjunktiv. Es sind nur Möglichkeiten, die in vielen Fällen mit der Realität nichts zu tun haben, denn wer kann sich schon als "normaler Mensch" z.B. in das wahre Wesen eines Schänders oder Selbstmörders hineinversetzen? Es bleibt lediglich ein Versuch und die Kunst dabei ist, so glaubwürdig wie möglich dabei zu sein, um somit vielleicht das Herz des Lesers zu erreichen und zu treffen. So gesehen bleiben solche Dinge immer und ausschließlich fiktiv, solange der Autor nicht explizit das Gegenteil behauptet. Zumindest will ich einen Großteil meiner Texte so verstanden wissen. Ich gehe also auf eine gewisse Distanz zu ihnen und möchte nicht mit ihnen gleichgesetzt werden. Ich will versuchen, es mal so zu erklären: Ein Text ist zunächst einmal ein Konstrukt oder eine Konstruktion, also ein Gebilde, ein Ding, eine Form, ein Gegenstand, eine Gestalt, ein Objekt, ein Produkt oder, abwertend, ein Machwerk. Das ist genau so, als würde ein Flugzeugingenieur einen Jet konstruieren. Sicherlich fließt sein persönliches Wissen und sein technisches Geschick bei dieser Konstruktion ein und sehr wahrscheinlich auch sein individueller Geschmack in Form und Gestaltung, aber wer käme auf den abwegigen Gedanken, dieses Konstrukt, dieses Ding, diesen Jet mit dem Ich des Ingenieurs gleichzusetzen, bzw. dass dieses etwas über ihn aussagen könnte? Wir sprechen hier ja auch von Kunst, nämlich von der Ingenieurskunst. Warum also sollte das in der Kunstrichtung Literatur, hier speziell der Lyrik, anders sein? Thomas Mann sagte 1953 in "Der Künstler und die Gesellschaft": "Denn man weiß ganz genau, daß der Künstler kein moralisches Wesen ist, daß sein Grundtrieb das Spiel ist und nicht die Tugend, ja daß er sich in aller Naivität herausnimmt, mit den Fragestellungen und Antinomien (Widersprüchen) der Moral auch nur dialektisch (in Gegensätzen denkend) zu spielen." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. So kann ich also die Fragen, die dein Text aufwirft, auch nicht beantworten. Es wäre nämlich überheblich, anhand des Kunstwerks, hier des Textes, Rückschlüsse auf den Autor zu ziehen und somit auch moralisch äußerst fragwürdig. Wer dies praktiziert, offenbart damit nicht nur seine Unfähigkeit, sondern auch seine Geisteshaltung, indem er seine eigene Interpretation missbraucht, indem er ein Kunstwerk personifiziert. Das funktioniert aber nur bei den darstellenden Künsten, Theater, Tanz, Film, wo der Künstler das Kunstwerk selbst ist. Doch niemals bei den bildenden Künsten, der Musik oder den verschiedenen Literaturgattungen, in denen selbständige Kunstwerke erschaffen werden. Alles andere ist Blabla und dummes, moralisches Gewäsch, genauer gesagt ein Dogma, ähnlich den religiösen Dogmen, in denen allen Dingen durch einen kreativen Schöpfer göttliche Eigenschaften zugesprochen werden und offenbart somit eine geistige Haltung, die durch kompromissloses Festhalten an ideologischen Grundsätzen gekennzeichnet ist und das Handeln bestimmt, was man auch als eine Art von Fundamentalismus bezeichnen könnte. In diesem Sinne habe ich dein Gedicht gerne gelesen und mich mit den berechtigten Fragen näher auseinandergesetzt, obwohl ich keine direkten Antworten darauf liefern konnte...:) Liebe Grüße Bis bald Falderwald |
Moin Faldi, |
Liebe Chavali,
dieses Gedicht gefällt mir ausserordentlich gut. Besonders die 4. Str. ist wie aus dem Leben gegriffen! :D Falderwald hatt zwar bereits alles ausschöpfend zum Thema gesagt, man könnte es aber auch kürzer in Worte fassen. Wer ist der, der Gedichte schreibt? Ein träumender Wort- und Gedankenfänger. :Blume: Gerne gelesen und noch lieber mitgeträumt. liebe Grüße momo |
Liebe momo, |
Hallo Chavali,
Dein Gedicht, und Faldis Ausführungen waren für mich sehr interessant. Der Thomas Mann'schen Annahme eines Spieltrieb bei den Beweggründen eines Schreiberlings könnte noch ein biblischer Text entgegengesetzt werden. (So ganz könnte ich dieser Auffassung von Thomas Mann nicht folgen, hinter allem Schreiben den unschuldigen kindlichen Spieltrieb zu vermuten. Z.B. bei Agitationsgedichten oder Prosa mag dies nur bedingt zutreffen, hier steht die Verbreitung und Vertretung einer höheren Idee, einer Ideologie oder eine Motivation und Kritik im Vordergrund, und das Geschriebene wird lediglich Mittel zum Zweck.) Nun zur Bibelstelle Matthäus 12/13f: ,,Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens;und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz!" Letzteres ist nicht mein Favorit, werden hier nicht auch Moralfäden direkt mit eingewoben. Aber diese Wertung und Unterstellung wird ja auch subkutan in manchen Kommentaren spürbar, sodaß dieser Aspekt für mich hierher gehört. Es mag an beiden Thesen etwas dran sein, scheint mir aber insgesamt so schwer greifbar wie z.B. der Liebesbgriff und somit ist das Lyrische Ich prädestiniert für viel Schwafelei ( meiner inklusive). Da wäre denn noch die Feigenblatt und Alibifunktion des LI's zu benennen, welche den Schreiber unangreifbar macht, weil er aus dem Elixier der freien Kunst getrunken hat, und angeblich nur seine empathischen Ergüsse zu Papier bringt. Oder schöpft ein Mensch wirklich aus seiner Phantasie, und was macht diese eigentlich aus? Zeig mir dein Zimmer, und ich sage dir, wer du bist. In dieser Bauart wird der Literat von seinen Kommentatoren oft zu Tode geritten, und gnadenlos an sein Li gekettet. Nun, wie soll man sich dem Lyrischen Ich trotzdem nähern? Ob wir nun ein Schubladenkästchen für den Schreiberling zimmern wollen, oder ob wir uns dem Werk in aller Offenheit und Unvoreingenommenheit stellen wollen, wie einem zufälligen Stein am Strand, ist vermutlich Geschmacksache. Rein werkimmmanente Interpretationen sind begrenzt, tragen aber immer die reine Weste der Unvoreingenommenheit. Nur im Kontext ergeben sich immer wertvolle zusätzliche Anhaltspunkte. Es liegt vermutlich im Auge des Betrachters, in einem Bild von Picasso das Geniale zu erkennen und sie nicht als persönlichen Ausdruck seiner zerrissenen Lebensphasen mit einer seiner amourösen Verstrickungen oder gar als Ausgeburt von psychischer Pathologie zu betrachten. Und trotzdem, wer wollte das aufdröseln können, wer wollte deine offene Frage im Gedicht beantworten können. In meinem Mikrokosmos hänge ich der These an, dass beim Menschen schon alle Spielarten angelegt sind. Er ist grausam, hart, liebesbedürftig, nett, sittsam, pervers,.. alles zugleich, wie eine umfassende ,,DNA" mit allen erdenklichen Perönlichkeitsmerkmalen und - Strukturen. Zeige mir einen Menschen ohne Abgründe und ohne alter Ego. In wieweit er seine inneren Seiten auslebt, mag von vielem abhängen und dem einen oder anderen vielleicht sogar manchmal wie ein persönlicher Käfig erscheinen, wenn er seinen stummen Seiten keine Stimme schenkt. Von daher vermag mich kein lyrisches Ich zu verwundern und überraschen, auch wenn ich den Urheber persönlich kenne. Ich weis um seine inneren Abgründe. Dieser hat ja lyrisch oder prosaisch betrachtet jederzeit alle Möglichkeiten, aus seiner sozialen Nummer und seinem Käfig auszusteigen, mit Hilfe seines LI's. Egal, wie sie zu ihrem lyrischen Ich stehen, der/die Autor/in bleibt der Schöpfer seiner/ihrer Worte. Und der Betrachter muss sich ebenso nachsagen lassen, dass er das lyrische Ich betrachtet, wie er es eben betrachten will, und er macht aus ihm, was er will. Und bei sämtlichen Schöpfungstheorien bleibt er auch wiederum Schöpfer der Betrachtungsweise. LG AZ |
Hallo Wortgespielin, |
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