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Felix 17.01.2018 23:14

Versuch einer kleinen Verslehre
 
Dem Zügel des Rosses vergleich ich das Metrum,
die Sprache zunächst dem lebendigen Fohlen,
das ohne Kandare und sonstigem Zaumzeug
die Freiheit genießt und die höhere Schule
des Reitens erst später erlernt.

„Hoppla hopp, mein Pferdchen lauf Galopp!“, so klingen fröhlich
erste Kinderreime, „aber brich dir nicht die Beine!“
Springt das Pony taktvoll weiter, freut sich jeder Reiter:
Der Trochäus ist gelungen, Pferdchen, du bist gut gesprungen!

Das höchste Glück für Menschenkinder findet sich auf Pferdes Rücken,
doch manchmal purzelt jäh ein Reiterlein vom flotten Pony runter
und humpelt mühsam, schmerzverzerrt die Miene, Richtung Stall davon.
Den Jambus hat es zwar entdeckt, doch lieber wär es doch geritten.

Den geübteren Reitern gelingts im gestreckten Galopp
die gefährlichsten Hürden mit Schwung und gekonntem Geschick
im rasantesten Tempo zu nehmen. Der Zuschauer staunt:
Die geschwinden und schwierigen Päste mit Vornamen A (na),
sie gelangen dem Reiter mit einiger Mühe und Glück.

Am Abend, die Pferde warn längst schon im Stall,
erklang in der Scheune die Fiedel und auch die Schalmei,
Die Reiter erwählten zum Tanze und Tandaradei
ihr Mädchen und tanzten den Walzer und allüberall
vernahm man die Stimmen Verliebter: Im Amphi, dem Brachys,
da lässt es sich wundervoll tanzen und lieben.

Liebst du den Walzer, du Schöne, du Feine, dann schwinge das
Röckchen und dreh dich im Kreise, bewege die Beine im Takte der
jubelnden Geigen, vermeide die Tritte auf wirbelnde Füße und
wieg dich im Rhythmus der blauen und wogenden Donau und schon bist du
strahlender Stern auf den Dielen des blanken Parketts und von allen beneidet.

Als erstes greif zu Jamben, lass das Reimen,
genügend sind fünf Füße bei den Versen
und du erlernst mit Freude Jamben schreiben.
Dann wechselst du, o Dichter, flugs den Rhythmus
und traust dich mutig an den nächsten Versfuß.

Stolz erhobnen Hauptes kommen flugs
aus der Feder aufs Papier; zur Freude aller
Leser kann der Dichter dann beginnen, Reime
aneinander reihen oder kreuzweis zu versuchen:
Erst mal jambisch, dann trochäisch, später sicher
auch im Takt des Wiener Walzers oder auch im
Polkatempo. Aber jetzt genug davon - beginnt zu üben.


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