Gedichte-Eiland

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Erich Kykal 11.02.2019 19:25

Wohlstandskinder
 
Wir waren ach so vieler Tage Zeugen,
als wir die Welt bewegten wie im Traum,
dem heißen Willen folgend, sie zu beugen,
so selbstbewusst, doch bei Bewusstsein kaum.

Wir waren ach so vieler Dinge Meister,
als wir uns frisch erschufen im Verlauf
von Lebensplänen, nahmen immer dreister
das nie geglaubte Mahnende in Kauf.

Zuletzt verblieb uns nichts mehr, die wir lebten,
als ginge uns das Weitere nichts an.
Die nackte Arroganz, an der wir klebten,
verdammt uns nun und ändert nichts daran,

dass wir in unsrer Wichtigkeit erstarrten,
vermeintlich endlich überlebensgroß!
Ach, wie wir uns doch allzeit selber narrten!
Was wir begannen, stirbt bedeutungslos.

Wilhelmine 02.03.2019 09:26

Hi Erich,
ein tiefgehendes Werk, was mir sehr gut gefällt. Ja, so sind wir Menschen. Wir schaffen uns unser eigenes Grab. Einsehen und Demut kommen meist zu spät. Vielleicht muss die Menschheit erst fast vernichtet sein, dass aus den vielleicht Übriggebliebenen eine neue Generation entsteht, die den Dingen mit Respekt und Demut begegnet. Ich bezweifelte aber, dass das in der Natur des Menschen liegt. Sei denn der Mensch erhebt sich über seine eigene Natur.

Von dem rücksichtslosen Streben nach Wohlstand bleibt am Ende nichts, wie du schreibst.

Sehr gern gelesen
Wilhelmine

Erich Kykal 02.03.2019 16:25

Hi Wilhelmine!

Du ahnst nicht, wie sehr es mich freut, wenn sich jemand eines noch unkommentierten Werkes annimmt! :Kuss:)

Vielen Dank dafür! :Blume:


Auch ich bin ein Wohlstandskind, vielleicht noch mehr als andere. Als verwöhntes Einzelkind, das immer bekam, was es wollte, und zwar, ohne es allzu sehr wollen zu müssen, lernte ich den Unterschied von "mein" und "dein" erst im Kindergarten, als ich zum ersten Mal überhaupt mit anderen Kindern zusammenkam!
Später kompensierte ich meine zunehmende soziale Isolation (Nerd, Freak, Spinner, Sonderling ...) unbewusst mit materiellem Besitz, der mir letztlich aber nie wirklich viel bedeutete - ich verstand den "Neid" anderer Kinder ob meiner vielen Spielsachen nicht einmal, für mich war das schlicht einfach nur selbstverständlich ...
Es endete damit, dass ich andere Kinder mit meinem Zeug "bestach", damit sie überhaupt mit mir spielten: Ich "verlieh" das Spielzeug im Tausch für gemeinsame Spiele damit ... :Aua:rolleyes::o


LG, eKy

Wilhelmine 02.03.2019 18:03

Hi Erich!
Danke für deine "Aufklärung". Da war ich ja fast ein bisschen neben dem Thema. Ich bin kein Wohlstandskind. Das hat meinem Charakter sehr gut getan. Ich lebe heute auch noch in sehr einfachen Verhältnissen und das mit Absicht. Ich brauche den Wohlstand einfach nicht um glücklich zu sein.
Aber du hast ja die Kurve noch rechtzeitig gekriegt.
Liebe Grüße
Wilhelmine

Erich Kykal 03.03.2019 18:18

Hi Wilhelmine!

"Wohlstand" ist immer subjektiv, der Begriff ist abhängig davon, von welcher Seite man ihn benutzt!

Von der Seite der Ärmsten unserer Gesellschaft aus betrachtet lebe ich durchaus im Wohlstand, von der Seite der Reichen aus rangiere ich immer noch unter "jämmerlich unterversorgt". :Aua:rolleyes::D

Tatsache bleibt, dass ich als Kind materiell verwöhnt war, sozial aber meist im Abseits, unmündig, isoliert und ungelenk.


LG, eKy


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